Die sechs Widersprüche des US-amerikanischen Sozialismus

Die sechs Widersprüche des US-amerikanischen Sozialismus

Auf „The People’s Cube“ beschreibt „Red Square“ in Anlehnung an sowjetische Witze die sechs Widersprüche des Sozialismus in den Vereinigten Staaten von Amerika:

[1] America is capitalist and greedy – yet half of the population is subsidized.

[2] Half of the population is subsidized – yet they think they are victims.

[3] They think they are victims – yet their representatives run the government.

[4] Their representatives run the government – yet the poor keep getting poorer.

[5] The poor keep getting poorer – yet they have things that people in other countries only dream about.

[6] They have things that people in other countries only dream about – yet they want America to be more like those other countries.

Es lohnt, die Sache ins Deutsche zu übertragen:

[1] Amerika beruht auf Kapitalismus und Gier. – Aber die Hälfte der Bevölkerung lebt von öffentlichen Transferleistungen.

[2] Die Hälfte der Bevölkerung lebt von Transferleistungen. – Dennoch meinen diejenigen, die zu dieser Hälfte gehören, Opfer zu sein.

[3] Sie meinen, Opfer zu sein. – Aber gerade diejenigen, die von ihnen gewählt worden sind, bilden die Regierung.

[4] Die von den Opfern Gewählten bilden die Regierung. – Trotzdem werden die Armen immer ärmer.

[5] Die Armen werden immer ärmer. – Aber sie besitzen Dinge, von denen die Menschen in anderen Ländern nur träumen können.

[6] Sie besitzen Dinge, von denen die Menschen in anderen Ländern nur träumen können. – Dennoch wollen sie, daß die USA mehr und mehr diesen anderen Ländern ähneln.

Noch Fragen?

(Bild: Detroit, via Pixabay.)

Wissenschaftler an Höhlenmensch: Ich bin nicht gekauft!

Der renommierte Klimaforscher Roy W. Spencer gibt auf seiner Website einige Auskünfte über sich selbst. Dort heißt es:

Roy W. Spencer received his Ph.D. in meteorology at the University of Wisconsin-Madison in 1981. Before becoming a Principal Research Scientist at the University of Alabama in Huntsville in 2001, he was a Senior Scientist for Climate Studies at NASA’s Marshall Space Flight Center, where he and Dr. John Christy received NASA’s Exceptional Scientific Achievement Medal for their global temperature monitoring work with satellites. Dr. Spencer’s work with NASA continues as the U.S. Science Team leader for the Advanced Microwave Scanning Radiometer flying on NASA’s Aqua satellite. He has provided congressional testimony several times on the subject of global warming.

Spencer fährt fort:

Dr. Spencer’s research has been entirely supported by U.S. government agencies: NASA, NOAA, and DOE. He has never been asked by any oil company to perform any kind of service. Not even Exxon-Mobil.

Es gereicht unserer Zeit zur Schande, daß ein renommierter Wissenschaftler dergleichen überhaupt bemerken muß! Und welchen Ekel muß Spencer empfunden haben, als er diese Zeilen geschrieben hat! Denn er weiß natürlich, daß Datenfälschungen früher oder später auffliegen. Die Wissenschaft ist ein weit robusteres System zur Auffindung objektiver Erkenntnis, als der durchschnittliche Wissenssoziologe, Kulturrelativist oder Revoluzzer sich träumen läßt.

Weshalb dem so sei? Nun, wenigstens zweier Regeln wegen, die dafür sorgen, daß die Wissenschaft von unserer Erfahrungswirklichkeit handle, nicht aber von irgendeiner anderen, logisch möglichen Welt.

(1) Die Reproduzierbarkeitsregel

In die empirische Wissenschaft dürfen nur solche Sätze Eingang finden, die – ob Prüf- oder Basissatz, ob Theorie-Vorschlag – einen „Effekt“[1] beschreiben. Ein Effekt unterscheidet sich von sonstigen Beobachtungen dadurch, „daß er sich regelmäßig und von jedem reproduzieren läßt, der die Versuchsanordnung nach Vorschrift aufbaut“[2]; „nichtreproduzierbare Einzelereignisse sind […] für die Wissenschaft bedeutungslos“[3].

Folglich darf ein Experiment überhaupt nur dann ernstgenommen werden, wenn es zu Effekten führt, die sich (prinzipiell[4]) reproduzieren und also überprüfen lassen. Das bedeutet nicht mehr und nicht weniger, als daß ein jeder „die experimentelle Anordnung nachträglich […] kontrollieren“[5] und das betreffende Experiment „mit besonderer Kontrolle der möglichen Störfaktoren“[6] wiederholen kann. Selbst Betrügereien – „daß die beobachtenden Assistenten möglicherweise unzuverlässig waren, daß ein Magnet am Plafond des Laboratoriums hätte versteckt sein können“[7] – sollten so aufzudecken sein. Datenfälschungen dürften diesem Mechanismus kaum lange standhalten.

Mit einem Wort: Reproduzierbarkeit (Überprüfbarkeit) sorgt für Objektivität. Daß tatsächlich überprüft wird, dafür sorgen Neugier und Ehrgeiz der Forscher.

(2) In Zweifelsfällen: Deduktion heterotyper Prüfsätze

Wo unklar ist, was von einer Theorie, bzw. dem Experiment zu deren Überprüfung zu halten sei, empfiehlt Gunnar Andersson, „aus einem problematischen Prüfsatz und einer Hilfshypothese einen heterotypen Prüfsatz, d.h. einen Prüfsatz anderen Typs, abzuleiten.“[8] Im Anschluß könne der erste Prüfsatz „durch Überprüfung des heterotypen Prüfsatzes […] kontrolliert und kritisch diskutiert werden.“[9] Wie Andersson ausführt,

kann z. B. der Prüfsatz, daß es an einer bestimmten Raum-Zeit-Stelle einen Fixstern gibt (Pk), dadurch überprüft werden, daß mit einer Hilfshypothese […] prognostiziert wird, daß der Stern in einem Fernrohr punktförmig aussieht […]. Wenn der Stern in einem Fernrohr nicht punktförmig aussieht, dann folgt, daß es sich nicht um einen Fixstern handelt, d. h., daß der Prüfsatz Pk falsch ist […]. So kam Herschel durch Beobachtung der Scheibenform des Uranus 1781 zu der Auffassung, daß Uranus kein Fixstern sein könne. Viele solcher Beispiele der Kritik von Prüfsätzen mit heterotypen Prüfsätzen können in der Wissenschaftsgeschichte gefunden werden.[10]

Nicht nur Theorien, sondern auch Prüf- oder Basissätze (z.B. Klimadaten) können sich als falsch erweisen. Dafür haben wir die Möglichkeit, Prüf- oder Basissätze „aufgrund ihrer deduktiven Konsequenzen“[11] selbst zu überprüfen. Durch solche „Querprüfungen“ lassen sich Datenfälschungen (oder Versehen) mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auffinden.

Rejoice, Ye Pure of Heart

Wissenschaft ist möglich, ganz gleich, was Troglodyten oder Proktophantasmisten meinen. Wenn es weniger schlimm um unsere Schulbildung und Medien stünde, bräuchte ein ehrenwerter Mann wie Dr. Roy W. Spencer sich nicht im Vorhinein gegen absurde Vorwürfe zu verteidigen.

***

[1] Karl R. Popper, Logik der Forschung. Tübingen 1976, S. 19. [2] Ebd., Hervorhebung von mir. [3] Ebd., S. 54. [4] Ebd., S. 55, Fußnote. [5] Gunnar Andersson, Kritik und Wissenschaftsgeschichte. Tübingen 1988, S. 157. [6] Ebd. [7] Ebd. [8] Ebd., S. 185. [9] Ebd. [10] Ebd. [11] Ebd., S. 186; vgl. Popper, a.a.O., S. 76, Zusatz (5). Mehr zum Thema hier.

Grünkernsuppe mit Totalitarismus
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Grünkernsuppe mit Totalitarismus

Zum deutschen Antimodernismus.

Manfred Güllner, Chef des Meinungsforschungsinstituts Forsa, hat ein Buch über die Grünen geschrieben und Spiegel online ein Interview gewährt. Darin heißt es:

SPIEGEL: Sie beschreiben die Grünen fast, als wären sie die neuen Nazis. Die Partei habe anfangs „gegen einen pragmatischen Politikstil und gegen die sich den Notwendigkeiten der Moderne öffnende Gesellschaft“ gekämpft.

Güllner: Ich will die Grünen um Gottes willen nicht mit den Nazis vergleichen. Doch rein soziologisch betrachtet, entstammte der ursprüngliche Nukleus dieser Bewegung in der Weimarer Zeit und später der Grünen-Bewegung dem gleichen antimodernen Segment der Gesellschaft, einem radikalisierten Teil der deutschen Mittelschicht.

Was soll man sagen? Das ist nichts Neues. Jeder, der sich auch nur ein wenig mit dem deutschen (bzw. deutschsprachigen) Antimodernismus seit der Zeit Wilhelms II. beschäftigt hat, zuckt mit den Schultern: „Ja mei…“

Dennoch brodelt es in der Grünkern-Fraktion.

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Leibniz Universität Hannover: Das sah ja schon mal besser aus!

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Durch den (unschuldigen) Vorsatz, in der Fachbibliothek Sozialwissenschaften der Leibniz Universität Hannover (tatsächlich ohne Bindestrich) zwei schmale Bücher zu entleihen, geriet ich in eine Art Dschungel. Kaum auszudenken, was ein Stipendiat oder eine Stipendiatin aus, sagen wir, Ostasien beim Anblick solcher Verwahrlosung empfinden möchte.

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Röpke lesen und lernen

Röpke lesen und lernen

Wilhelm Röpke zählt zu den „stillen“ Großen deutscher Wissenschaft. Sein Denken verbindet Nationalökonomie und Geisteswissenschaft, wie kaum sonst zu finden; es zeigt, wie die Ergebnisse „der anderen Seite“ berücksichtigt sein wollen, und es tröstet, wo jene Einseitigkeit, die notwendig in Beschränktheit mündet, nicht zur Kenntnis nehmen will, was Kenntnisnahme verdiente. Deshalb ist es erfrischend unmodisch.

Eine der schönsten Passagen aus dem Röpke’schen Werk sei nun gegeben:

Daß freilich ein Buch wie dieses, das die Dinge ohne billige Trostgründe beim Namen nennt, nicht ganz ins Leere gesprochen zu sein scheint, gehört zu den Umständen, die Hoffnung machen. Die Aufnahme, die es […] gefunden hat, läßt im ganzen erkennen, daß ich mit vier Möglichkeiten der Reaktion zu rechnen habe.

Da sind erstens diejenigen, die das Buch en bloc ablehnen, weil es ihren mehr oder weniger kollektivistisch-zentristischen Ideen vollständig zuwiderläuft. Da sind zweitens die anderen, die an diesem Buche, das sich „Jenseits von Angebot und Nachfrage“ nennt, eigentlich nur das zu schätzen scheinen, was diesseits und nicht jenseits liegt, die unbekehrten Rationalisten, die hartgesottenen Ökonomisten, die prosaischen Utilitaristen, die vielleicht meinen, daß aus dem Verfasser bei fester Führung ein halbwegs brauchbarer Nationalökonom hätte werden können. Da sind umgekehrt drittens diejenigen, die den Ökonomisten in mir selber als allzu hartgesotten tadeln und dafür nur den Teil des Buches loben, der von den Dingen „jenseits von Angebot und Nachfrage“ handelt, die reinen Moralisten und Romantiker, die mich vielleicht als Beweis dafür anführen, wie eine reine Seele durch die Ökonomie verdorben werden kann. Da sind endlich diejenigen, die dem Buche als ganzem günstig gesinnt sind und es als seinen Vorzug ansehen, daß es die drei anderen Gruppen herausgefordert hat.

Ich würde aus meinem Herzen eine Mördergrube machen, wenn ich nicht offen bekennen würde, daß mir die vierte Gruppe die liebste ist.

Die Botschaft dieser Zeilen ist deutlich. Wenn ein Geisteswissenschaftler auf Fragestellungen stößt, zu deren Beantwortung Kenntnisse der Nationalökonomie nötig sind, sollte er sich nicht davor drücken, den einen oder anderen Klassiker dieser Wissenschaft zu konsultieren. Wer angesichts eines Werkes, das Röpke, von Mises oder von Hayek verfaßt haben, ausruft: „Oeconomica sunt, non leguntur!“ handelt nicht vornehm, sondern kindisch. Fürchtet er, durch eine Erweiterung seines Horizonts zu verlieren? Wie das Beispiel Brecht zeigt, wird der in ökonomischer Hinsicht willentlich „blinde“ Geisteswissenschaftler sich eher ein X vor ein U machen lassen, wenn er auf persuasive Texte trifft.

Es ist mir gut erinnerlich, wie in einem Seminar über die sogenannte Kommunitarismus-Debatte – die sich um eine bestimmte Spielart antiliberaler Kritik dreht – erbittert gerungen worden ist. Dabei wäre viel Streit zu vermeiden gewesen, wenn sich die anwesenden Philosophen bereit gefunden hätten, Rat bei Rechtstheoretikern zu suchen, um sich über einige grundsätzliche Eigenschaften des Rechts zu informieren. Auch hier gilt: Der geisteswissenschaftliche Diskurs hätte von einem Blick über den Tellerrand nur profitieren können.

Wie fügt sich Röpkes Werk in das Weltbild eines Botho Strauß? Gelassener Ton, gelinde Ironie, Eleganz im Ausdruck, Liebe zur Sprache – von „unholfenem Informationsaustausch“ (Strauß) kann bei Röpke keine Rede sein. Von einem Zugang zur Welt als „Ingenieursphantasie“, die „das Reservoir des Möglichen plündere“, gleichfalls nicht.

Für „die andere Seite“ zeigt sich Röpke nicht minder wertvoll: Selten wird mit solchem Charme der Nachweis erbracht, daß Liberalismus auf Privateigentum und Marktwirtschaft gründet, mitnichten aber auf diese beiden Größen zu reduzieren sei.

(Der Auszug stammt aus dem Vorwort zur dritten Auflage von Röpkes Jenseits von Angebot und Nachfrage, abgeschlossen im Januar 1961; zitiert nach der vierten Auflage, Erlenbach-Zürich und Stuttgart 1966. Bild: John Singer Sargent: Henry Tonks, 1918.)

Vom Glauben an die Vernunft

Zbliżenia interkulturowe 9 (2011)

Dirk Maxeiners Buch „Hurra, wir retten die Welt! Wie Politik und Medien mit der Klimaforschung umspringen“ läßt sich auf (wenigstens) zwei Weisen lesen. Man kann sich auf die Schilderung des Irrationalen darin konzentrieren und verzagen. Oder sich von Maxeiners Vertrauen in Vernunft und Wissenschaft inspirieren lassen.

Die Klimadebatte kreist um die Hypothese von der anthropogenen Erderwärmung, die behauptet, daß die Kohlendioxid-Emission von Industrie, Verkehr und Haushalten das Klima in entscheidender Weise beeinflusse. Bundeskanzlerin Angela Merkel, selbst promovierte Naturwissenschaftlerin, schließt diesbezüglich jeden Zweifel aus.[1] Doch liegen die Dinge weit weniger eindeutig. Wie Maxeiner ausführt, werde die Hypothese durch die Erfahrungswirklichkeit widerlegt; zum einen wirke sich eine erhöhte Kohlendioxidkonzentration in der Atmosphäre weit weniger auf deren Temperatur aus, als die Prognosen voraussetzen; zum anderen habe seit 2001 keine Erwärmung stattgefunden, obwohl Industrie, Verkehr und Haushalte weiterhin fossile Energieträger verbrannt haben. Vor diesem Hintergrund „bleibt vom anthropogenen Treibhauseffekt nicht mehr viel übrig.“ (S. 49)

Der zweite Teil des Buches handelt von den außerwissenschaftlichen Einflüssen auf die Klimaforschung, welche der erste Teil bewußt ignoriert hat. Dazu zählen Politik, veröffentlichte Meinung (Medien), Nichtregierungsorganisationen und leider auch das unmoralische Verhalten gewisser Wissenschaftler, wie der Skandal um die Climate Research Unit (CRU) in Großbritannien gezeigt hat. Dort wurden Daten gefälscht oder, wenn von Skeptikern angefordert, „verloren“, die Redaktionen wissenschaftlicher Zeitschriften (in wenigstens einem Fall erfolgreich) unter Druck gesetzt, dissidente Aufsätze abzulehnen. Maxeiner referiert diese Geschehnisse mit hoher Bemühung um Sachlichkeit, vermeidet es auch dort, wo er deutlich Stellung bezieht, sich zu ereifern – selbst angesichts der Machinationen um die Berichte des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC). Ein gestandener Wissenschaftstheoretiker wie Karl Popper, der die ethische Dimension wissenschaftlicher Tätigkeit zu betonen pflegte, hätte weit Schneidenderes zu bemerken gefunden.

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