Stil im Alltag

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    Confidence

    Einer der besseren Right Angles (ehemals Trifecta) über die Frage, weshalb die USA den nächsten Großkonflikt nicht verlieren werden. Selbstvertrauen und Dankbarkeit zu rechten Anteilen gemischt – ein Genuß. Und die Euroweenies unter uns, sie sollten sich zu Gemüte führen, was Stephen Green – oder Esteban Verde – (ab 3′ 35“) über Spielsüchtige zu sagen hat: jene seien, so Green, vernarrt in das Gefühl des Verlierens.

  • Berlin als Unwille und Verstellung

    Kürzlich mit einem Bekannten über Berlin als Stadt geplaudert, der wir vor Jahren entflohen sind. Sofort reproduzierten unsere Hirnschaltungen den unverwechselbaren Geruch der Berliner U-Bahn-Schächte und -Wagen, ein olfaktorisches Souvenir, auf das zivilisierte Menschen durchaus verzichten können. Die S-Bahn roch (damals) nicht viel besser, aber anders, zuweilen kurios ins Ranzige spielend.

    Wie dem auch sei; Berlin war etwas, durch das man durch mußte – ganz so, wie es der Schweizer Benedict Neff in der NZZ beschreibt:

    Generell bin ich in Berlin robuster geworden. Ich vermute, dass ich in den vergangenen drei Jahren in öffentlichen Verkehrsmitteln mehr Rippenstösse und Tritte auf die Füsse bekommen habe als in meinem gesamten Leben zuvor. An ungehobeltes Verhalten und eine gewisse Rauheit im öffentlichen Umgang muss man sich gewöhnen. Wenn ich in meinen Anfängen hier Reklamationen geäussert habe, wurden diese oft nicht verstanden oder sogar als etwas umständlich vorgetragene Komplimente interpretiert. In Berlin muss man sagen, was man will; das funktioniert mit «hätte gern», «ein bisschen» und «vielleicht» eher schlecht. Diese Phänomene haben vor allem mit Berlin zu tun, während sich die Sitten in anderen Landesteilen verfeinert haben und auch eine andere Geschäftigkeit herrscht. 

    Dieses Ruppige, das natürlich auch mein Bekannter und ich beobachtet (oder besser: durchwatet) haben, entspringt, fürchte ich im Rückblick, weniger einer herzhaft-tappigen Menschenliebe, die sich um Konventionen wenig schert, als einer Disposition, die sich als geistige Ungewaschenheit bezeichnen ließe: Es war zu vielen Leuten zu viel egal, die gerade deshalb zu sehr von sich eingenommen waren.

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    „Du wirst nicht erst Mutter, du bist schon eine.“

    Schöner Artikel auf dem Blog „Nolite Timere“: 

    Es ist dein Kind. Es ist auf dich angewiesen. Du wirst nicht erst Mutter, du bist schon eine. […]

    Von dir wird nicht verlangt, dich „für dein Kind zu entscheiden“. Von dir wird verlangt, dich nicht dafür zu entscheiden, dein Kind zu töten. Was du nach seiner Geburt machst – ob du es behältst oder zur Adoption freigibst (auch das ist möglich), welche Beziehung du weiterhin zu seinem Vater hast, ob du bald wieder arbeiten gehst oder erst einmal zu Hause bleibst – das alles musst du selber entscheiden, wie es für dich am besten ist. Aber es ist nicht in Ordnung, zu einem Arzt zu gehen, der einen Schlauch in deine Gebärmutter einführen soll, um dein Kind durch Saugluft in Stücke zu reißen und seine einzelnen Gliedmaßen herauszusaugen. So sieht eine Abtreibung im ersten Trimester aus. 

    Es lohnt, den ganzen Text zu lesen.  (Sie werden auf dem Blog dort manches finden, dem Sie nicht zustimmen wollen oder können. Das eben ist die Vielfalt, derer wir, wie immer wieder unterstrichen wird, so dringend bedürfen.)

  • Jordan Peterson auf Deutsch: wie’s scheint, ein großes Unglück

    Liest man die Rezensionen der deutschsprachigen Version von Jordan Petersons 12 Rules for Life bei Amazon, gewinnt man den Eindruck, da sei etwas schiefgelaufen:

    Die Übersetzung verzerrt das ganze Werk dermaßen, dass es sich hier vielmehr um eine Fälschung als um eine Übersetzung handelt. Also: bitte einstampfen, neu übersetzen und dann neu veröffentlichen.

    Oder:

    Absolut schreckliche Übersetzung. An manchen Stellen liest es sich mehr wie eine Parodie des Original.

    Oder:

    Die Übersetzung ist eine Frechheit, die eigentlich juristische Konsequenzen zeitigen müsste!

    Sehr empfehlenswert wirkt der ausführliche  Kommentar, den Bernhard Lassahn zur deutschen Übersetzung des Petersonschen Meisterwerks – denn das ist es – verfaßt hat. Lassahn macht die Sünden der beiden Peterson-Übersetzer an einem längeren Beispiel dingfest.

    Es ist kaum zu glauben, was Lassahn berichtet. Und dies auch dann, wenn man zugesteht, daß der vordergründig plaudernd wirkende, doch sehr durchgeformte, zuweilen sehr knappe und stets auf den jeweils erwünschten Lern-Effekt hin kalibrierte Stil Petersons schwer in eine andere Sprache zu bringen sei.

    Doch heißt das nicht, daß es unmöglich sei. Man braucht bloß zweierlei zu tun, nämlich (1) das Original zu achten, z.B. die Kapitelüberschrift

    Set your house in perfect order before you criticize the world

    nicht banalisierend verballhornen als

    Räum erst einmal dein Zimmer auf, ehe du die Welt kritisierst.

    Jeder nur halbwegs mit dem Englischen Vertraute dürfte zustimmen, daß mit dieser Übersetzung alle moralische und metaphysische (metaethische, anthropologische) Wucht verpufft, die im Unterton des Original geborgen lag. Von dem flapsigen Einschub „erst einmal“ ganz zu schweigen.

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