Stil im Alltag

  • Der freundliche Zehnjährige,…

    …der es versteht, „Entschuldigung“ zu sagen, wenn ihm Leute den Weg verstellen, erntet zutunliches Lächeln, ja nostalgische Erleichterung bei den „jung“ gekleideten Fünfzig- bis Siebzigjährigen um ihn. Nicht zuletzt bei jenen, die sich für gewöhnlich mit einem „Vorsicht!“ oder, schlimmer noch, „Achtung!“ durch ihre Mitmenschen drängen.

    (Bild: John Singer Sargent: Olimpio Fusco (Wikipedia Commons).)

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    Viva Mitteleuropa!

    György Schöpflin schreibt in der Druck-Ausgabe von Tichys Einblick (8/2018, S. 22), die durchweg empfehlenswert finde, man habe in Ostmitteleuropa oder, wie er es nennt,

    Mitteleuropa einen besonderen Stil des Denkens, […] eine besondere Art, Ideen und Probleme zu strukturieren. Das Erbe der aus dem 19. Jahrhundert stammenden Auffassung von Nation und Nationalismus ist eine intensive Emotionalität, die durch Ironie und Skeptizismus gemildert wird.

    Das ist eine gute Einführung für unsere grünwählenden Gut- und Bessermenschen, deren Auffassung von Nation und Nationalismus von allesverzehrendem Selbsthaß geprägt ist, der durch keinerlei Ironie und Skeptizismus gemildert wird.

    Wie dem auch sei; passend zum Thema „(Ost-)Mitteleuropa“ bietet Dushan Wegner einen launigen Text über Plzeň/Pilsen, Tschechien und Polen. Die intensive Emotionalität, von der oben die Rede war, zeigt sich hier – in den Kommentaren nämlich – vor allem in der Frage, woher der Braumeister stamme, welcher in Pilsen das Pilsener erfunden habe.

    Natürlich enthält Wegners Essay auch eine ernstere Note – so in dem Hieb auf ein in Norddeutschland beheimatetes und kaum anders als überflüssig zu bezeichnendes Nachrichtenmagazin, es moniere, „dass das katholische Polen nicht um Menschen wirbt, deren Religion ihnen zu verbieten scheint, sich Juden oder Christen zu Freunden zu nehmen“.

    23,5% meines Bekanntenkreises beiderseits der Oder/Odra dürften diese Einschätzung reichlich undifferenziert finden.

    Unterdessen empfiehlt David P. Goldman (Spengler) Ungarn als eines der Länder in Europa, in dem Juden am sichersten leben können. Dazu auch das kurze Interview mit Ezra Levant.

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    Stefan George (12.07.1868-4.12.1933)

    Heute vor einhundertfünfzig Jahren wurde Stefan George geboren. Ein Leserbrief-Schreiber auf der Achse des Guten fragt, warum er lesen solle, was „dieses unverständliche, mystisch überzogene Ego“ verfaßt habe.  Nun, darum vielleicht:

    Sie sagen dass bei meinem sang die blätter
    Und die gestirne beben vor entzücken ·
    Dass die behenden wellen lauschend säumen ·
    Ja dass sich menschen trösten und versöhnen.
    Erinna weiss es nicht · sie fühlt es nicht.
    Sie steht allein am meere stumm und denkt:
    So war Eurialus beim rossetummeln
    So kam Eurialus geschmückt vom mahle –
    Wie mag er sein bei meinem neuen liede?
    Wie ist Eurialus vorm blick der liebe?

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    Max Scheler: Staat und Kunst

    Ein kluges Wort aus einem schlimmen Buche: „Kultur freilich, deren Schöpfer der Staat sein will, Kultur auf Grund von Staatsauftrag ist meist nur Öldruck und Kulisse.“ Max Scheler, Der Genius des Krieges und der Deutsche Krieg, Leipzig 1917 (dritte Auflage), S. 67.

    Photographie (Wikipedia, gemeinfrei): Hannover, ein Gebäude der Leibniz-Universität.

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    Ein höflicher junger Mann…

    …aus Deutschland, den ich da kürzlich in Krakau getroffen habe.  Doch hat er alle Üblichkeiten des sozialstaatlich-ökologischen Konsenses so brav repetiert, daß ich an Stanisław Jerzy Lec‘ Aphorismus denken mußte: „Czasem psy merdają łańcuchem.“ (Das ist: Manchmal wedeln die Hunde mit ihrer Kette.)

    Quelle:  Stanisław Jerzy Lec, Myśli nieuczesane, Warschau 2017, S. 198. Bild: John Singer Sargent: Zeichnung von Edwin Austin Abbey (Wikimedia, gemeinfrei).

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    Hoffnung durch Menschenwitz und Kunst

    Eine britische Firma hat eine Armprothese entwickelt, die sich steuern läßt, ihrem Träger das Greifen, Halten und Fangen ermöglicht. Zudem ist sie erschwinglich, da im 3D-Printverfahren hergestellt. Schauen Sie in den Film hinein, um sich von zweierlei Freude anstecken zu lassen: von der Freude derjenigen, denen das Ding ein besseres Leben ermöglicht, und der Freude derjenigen, die das Ding entwickelt haben und weiter verbessern. Dergleichen wirkt besser als Kaffee!

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    101.200 Kinder

    So lautet offiziell die Anzahl der in der Bundesrepublik Deutschland 2017 vorgenommenen Schwangerschaftsabbrüche, zweieinhalb Prozent mehr als im Vorjahr. Die wenigsten davon dürften aus medizinischen oder kriminologischen Indikationen geschehen.

    Unabhängig von der Haltung, die man zu solchen Dingen einnehmen möchte, sollte man sich das Ausmaß der Angelegenheit verdeutlichen. Dabei hilft Felix Honekamp, der über den Anstieg von zweieinhalb Prozent bemerkt, er bedeute, daß

    knapp 2.500 Kinder mehr im Mutterleib getötet wurden. 2.500 Kinder mehr, das ist eine Zahl, die man sich so kaum vorstellen kann. Aber im Durschnitt wird es in sechs Jahren rund 100 Einschulungsklassen weniger geben, als es sie ohne diesen Anstieg der Abtreibungszahlen gegeben hätte. Abgesehen davon, dass man bei einer Klassengröße von 25 Schülern gut 4.000 Klassen in Deutschland mehr bräuchte, wenn keine Abtreibungen vorgenommen werden sollten. 4.000 Klassen … denken Sie einfach mal darüber nach: Das sind bei dreigliedrigen Grundschulen über 300 Schulen.

    Wie bemerkte Mark Steyn? „The future belongs to those who show up for it.“ (Das ist, mehr oder weniger: „Die Zukunft gehört denen, die an ihr teilzunehmen bereit sind.“) Sofern sie nicht daran gehindert werden.

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    Bild: John Singer Sargent: Édouard und Marie-Louise Pailleron (Wikimedia, gemeinfrei).

  • Übereifrig

    …er hatte ein nicht-ambivalentes Verhältnis zur Ambivalenz; für ihn war die Ambivalenz eine unter allen Umständen einzufordernde Tugend.