• Sozialpartner in der Betreuungsindustrie

    Ein Anblick zum Mäusemelken sind
    Die fetten Keiler auf den Podien
    Sinnloser Kongregationen, in Tagungszentren
    Sich mästend von erpreßten Spesen,
    Gottkönige des Fortschritts.

    Schwerer
    Bist Du zu ertragen, Kenner
    Der windigen Szene, verbohrter
    Jüngling und Gutmensch, Stipendien-
    Schlucker,
    Ressentiment im gelben Gesicht:

    Verloren, jeder „Beweis“führung aus-
    Geliefert, ein Rausch kenntnislosen Verdachts,
    Eigener Scheuklappen Freund,
    Zu feige für eigene Kinder,
    Knüpfer der Schlinge, mit der Du
    Wirst abgewürgt werden.

    Dreist
    Versprechen Dir viele, aufzustehen
    Für Toleranz, gegen Unterdrückung zu ziehen
    Mit dem Nachwuchs der Mauermörder.
    Die Freiheit, sie wird die Partie
    Verlieren. Denn es wechseln bloß
    Ihr Panier die Vernichter:
    Die Lust der Meute bleibt Mord.

    ***

    Aus: Karsten Dahlmanns, Sonderlichs Sondierungen, Norderstedt 2018, über Amazon und in allen Buchhandlungen erhältlich. Eine weitere Leseprobe finden Sie hier und hier.

    Der volle Titel des Gedichts lautet übrigens: „Sonderlich liest fortschrittliche Lyrik, verläßt das Haus, um sich eine Hose zu kaufen, und notiert nach der Rückkehr mit einer Feder auf einem Bogen handgeschöpften Büttenpapiers, den er mit der Überschrift „Sozialpartner in der Betreuungsindustrie“ versieht:“.

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    Mythos und Thymos

    Auf dem Blog der Vierteljahresschrift Tumult erschienen: ein größeres Interview mit dem Schriftsteller Boris Preckwitz, das zu führen ich die Freude hatte. Leseempfehlung!

  • Drei junge Frauen und ein Mädchen aus Skandinavien

    Der Wahn unserer Zeit zeigt sich in den Schicksalen dreier junger Frauen und eines Mädchens aus Skandinavien, und das in beiderlei Hinsicht: als Sinnestäuschung und moralische Abirrung.

    Da sind die beiden Norwegerinnen, denen in Marokko der Kopf abgeschnitten worden ist. Die Nachricht über die Bluttat kam nur wenige Tage nach dem Friede-Freude-Migration-Gipfel im selben Land. Die Mörder dokumentieren und feiern ihre Tat mit einem Video, das einem das Blut in den Adern gefrieren läßt.

    Dann denken wir an die jugendliche Predigerin auf der Synode der Weltklima-Kirche in Katowice und schütteln das Haupt. Gab es da keinen Mann in der Familie, der gesagt hat: „Nun mach mal halblang!“?

    Schließlich kommt das vor rund achtzehn Monaten in Stockholm während einer Djihadi-Attacke überfahrene Mädchen in den Sinn. Es ist keine zwölf Jahre alt geworden.

    Religionssurrogate gleichen Religionen darin, daß sie Opfer fordern.

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    „Haß“

    Who defines „hate?“ Those you would least want to entrust with that power.

    Jordan B. Peterson

    (Wer bestimmt, was „Haß“ sei? Diejenigen, von denen Sie als letztes wünschen würden, daß sie mit dieser Macht versehen werden.) Tweet von Jordan B. Peterson.

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    „Du wirst nicht erst Mutter, du bist schon eine.“

    Schöner Artikel auf dem Blog „Nolite Timere“: 

    Es ist dein Kind. Es ist auf dich angewiesen. Du wirst nicht erst Mutter, du bist schon eine. […]

    Von dir wird nicht verlangt, dich „für dein Kind zu entscheiden“. Von dir wird verlangt, dich nicht dafür zu entscheiden, dein Kind zu töten. Was du nach seiner Geburt machst – ob du es behältst oder zur Adoption freigibst (auch das ist möglich), welche Beziehung du weiterhin zu seinem Vater hast, ob du bald wieder arbeiten gehst oder erst einmal zu Hause bleibst – das alles musst du selber entscheiden, wie es für dich am besten ist. Aber es ist nicht in Ordnung, zu einem Arzt zu gehen, der einen Schlauch in deine Gebärmutter einführen soll, um dein Kind durch Saugluft in Stücke zu reißen und seine einzelnen Gliedmaßen herauszusaugen. So sieht eine Abtreibung im ersten Trimester aus. 

    Es lohnt, den ganzen Text zu lesen.  (Sie werden auf dem Blog dort manches finden, dem Sie nicht zustimmen wollen oder können. Das eben ist die Vielfalt, derer wir, wie immer wieder unterstrichen wird, so dringend bedürfen.)

  • Jordan Peterson auf Deutsch: wie’s scheint, ein großes Unglück

    Liest man die Rezensionen der deutschsprachigen Version von Jordan Petersons 12 Rules for Life bei Amazon, gewinnt man den Eindruck, da sei etwas schiefgelaufen:

    Die Übersetzung verzerrt das ganze Werk dermaßen, dass es sich hier vielmehr um eine Fälschung als um eine Übersetzung handelt. Also: bitte einstampfen, neu übersetzen und dann neu veröffentlichen.

    Oder:

    Absolut schreckliche Übersetzung. An manchen Stellen liest es sich mehr wie eine Parodie des Original.

    Oder:

    Die Übersetzung ist eine Frechheit, die eigentlich juristische Konsequenzen zeitigen müsste!

    Sehr empfehlenswert wirkt der ausführliche  Kommentar, den Bernhard Lassahn zur deutschen Übersetzung des Petersonschen Meisterwerks – denn das ist es – verfaßt hat. Lassahn macht die Sünden der beiden Peterson-Übersetzer an einem längeren Beispiel dingfest.

    Es ist kaum zu glauben, was Lassahn berichtet. Und dies auch dann, wenn man zugesteht, daß der vordergründig plaudernd wirkende, doch sehr durchgeformte, zuweilen sehr knappe und stets auf den jeweils erwünschten Lern-Effekt hin kalibrierte Stil Petersons schwer in eine andere Sprache zu bringen sei.

    Doch heißt das nicht, daß es unmöglich sei. Man braucht bloß zweierlei zu tun, nämlich (1) das Original zu achten, z.B. die Kapitelüberschrift

    Set your house in perfect order before you criticize the world

    nicht banalisierend verballhornen als

    Räum erst einmal dein Zimmer auf, ehe du die Welt kritisierst.

    Jeder nur halbwegs mit dem Englischen Vertraute dürfte zustimmen, daß mit dieser Übersetzung alle moralische und metaphysische (metaethische, anthropologische) Wucht verpufft, die im Unterton des Original geborgen lag. Von dem flapsigen Einschub „erst einmal“ ganz zu schweigen.

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