• „Unplanned“

    „Unplanned“

    Der vor kurzem in den Vereinigten Staaten angelaufene Film „Unplanned“ erzählt aus dem Leben von Abby Johnson, die als Direktorin einer PlannedParenthood-Abtreibungsklinik gearbeitet hat, bis sie während eines Schwangerschaftsabbruchs auf dem Computer-Monitor – per Ultraschall – beobachten konnte, was der Absaug-Apparat mit dem ungeborenen Kind tut und wie das Kind auf die Annäherung dieses Apparates reagiert, bevor es in Stücke und aus der Mutter gerissen wird. Seitdem widmet Abby Johnson ihr Leben dem Kampf gegen die Abtreibung.

    Bemerkenswert ist nicht nur der Film, sondern auch, wie mit ihm umgegangen wird. Wenn man den Berichten glauben darf, verweigerten bedeutende Medienkonzerne die Lizenz, ihre Musikstücke für den Soundtrack des Films zu gebrauchen. Viele führende Presseorgane ignorierten den Film; Fernsehgesellschaften zeigten keine Werbespots. Der Twitter-Account von „Unplanned“ war zeitweise lahmgelegt, die Follower-Anzahl schlug Kapriolen. Trotzdem verzeichnet der Film an den Kinokassen keine geringen Erfolge.

    Ganz gleich, wie man zur Abtreibung steht, läßt sich an dem Gelingen des Filmprojekts „Unplanned“ einiges lernen. Wenn Sie dessen Website näher anschauen, erkennen Sie, daß hier robustes Marketing betrieben wird – robust in dem Sinne nämlich, daß es, nun, Schwierigkeiten mit den großen Internetplattformen aushält. Plakate, Memes, Bilder von Filmszenen und anderes Material sind dort herunterzuladen, ja selbst der Trailer, falls er auf Youtube verschwinden sollte. Beherztes, selbständiges, kluges Handeln lohnt, mehr als das Gejammere über die Gemeinheiten von Big Tech.

    Das, liebe Freunde, ist Amerikanismus im besten Sinne!

  • Schönes Beispiel für gescheiterten Protektionismus

    Gut gemeint ist nicht gut gemacht. Der Merchant Marine Act aus dem Jahr 1920 sollte die US-Schiffsbauindustrie schützen und sicherstellen, daß es in Krisenzeiten ausreichend Tonnage geben werden, um zu transportieren, was auch immer zu transportieren sein würde. Das gleichfalls als Jones Act bekannte Gesetz verlangt, daß von US-Hafen zu US-Hafen ausschließlich Frachtschiffe fahren dürfen, die in den Vereinigten Staaten gebaut worden sind, die amerikanische Flagge führen und amerikanische Offiziere und Mannschaften an Bord haben.

    Der Effekt? Die Kapazität der US-Schiffsbauindustrie ist im internationalen Vergleich kaum der Rede wert, und es ist weit günstiger, Erdöl aus Afrika per Schiff in den Nordosten der Vereinigten Staaten zu transportieren, als von Texas aus. Mehr Transport über Land, als nötig wäre. (Und, ja: die Umwelt, die Umwelt!)

    Schönes Beispiel für gescheiterten Protektionismus.

    Mehr bei CATO.

  • Problemsucht

    Problemsucht

    Vorgestern im Netz geschaut, ob es brauchbare Arbeitsblätter gibt, mit denen sich das Zusammenfassen von Sachtexten üben läßt. Der erste Vorschlag, den ich angeklickt habe, basierte auf einem Text zum Thema Internetsucht, der zweite Vorschlag bezog sich auf einen Text über Schadstoffe in Nahrungsmitteln. Den dritten Vorschlag – ertrinkende Eisbären? Rechtsextremismus in den neuen Bundesländern? Mobbing in Kindertagesstätten? – habe ich nicht mehr angeklickt.

  • Dennis Prager: The Left Ruins Everything

    Das hätte ich kaum schöner zusammenfassen können. Wenn Sie „everything“ zu allgemein finden – man soll ja nicht verallgemeinern, wie Ihnen gewisse Lehrkräfte zu verallgemeinern beigebracht haben (oder dergleichen zumindest versuchten) -, sei sogleich spezifiziert: die Universität, bildende Kunst, Literatur, spätabendliche Unterhaltungsshows im Fernsehen, die Religion, die Beziehungen zwischen US-Amerikanern unterschiedlicher Hautfarbe, die Institution der Pfadfinder (Boy Scouts) und das Selbstverhältnis von Jungs und Mädchen.

    Schauen Sie sich das knapp sechsminütige Video bitte hier oder hier an.

    (Beitragsbild: Screenshot aus dem Video.)

  • Weshalb Sauron gerade am 25. März ins Nichts stürzte…

    …sehen Sie auf diesem Gemälde von Fra Angelico. Es feiert den Moment der Verkündigung des Herrn (auch Mariä Verkündigung), und diese Begebenheit wird üblicherweise am 25. März gefeiert. Schauen Sie bitte auch in die linke obere Ecke des Bildes.

    (Vgl. J.R.R. Tolkien, The Lord of the Rings, Appendix B, „The Great Years“, 3019, gegen Ende. Bild: Wikipedia.)

  • Reich wie Rockefeller, aber warum?

    Ganz einfach! John D. Rockefeller ist so reich geworden, weil er seinen Kunden diente. Er hat ihnen das Leben erleichtert und, was die täglich nutzbare Zeit angeht, im Wortsinne verlängert. Thomas Sowell:

    „Only after Rockefeller’s innovations in production and distribution cut the costs of kerosene to a fraction of what it had been before, were ordinary people able to afford to stay up for hours after dark, using kerosene lamps.“

    (Erst Rockefellers Innovationen in Produktion und Transport reduzierten den Preis von Petroleum derart, daß nun auch einfache Leute es sich leisten konnten, nach Einbruch der Dunkelheit viele Stunden wachzubleiben und im Licht der Petroleumlampen zu nutzen.)

    Die Moral von der Geschicht‘:

    [T]his was a process in which wealth was created, not a process by some could get rich only by making others poorer. […] Contrary to „robber baron“ rhetoric, Rockefeller did not reduce the wealth of society but added to it, his own fortune being a share in that additional wealth […].

    (Es handelt sich dabei um Vorgänge, durch die Reichtum entsteht, nicht um Vorgänge, durch die einige Menschen reicher werden, indem sie andere Menschen ärmer machen. […] Im Gegensatz zu Anschauungen, die Rockefeller als „Räuberbaron“ verächtlich machen, hat sein Tun den Wohlstand der Gesellschaft nicht reduziert, sondern erhöht, und sein eigenes Vermögen stellt eine Teilmenge dieses zusätzlich geschaffenen Wohlstandes dar.)

    Kein Nullsummenspiel eben.

    Thomas Sowell, Intellectuals and Society. Revised and Enlarged Edition, New York 2011, S. 41, 68; Thomas Sowell, Wealth, Poverty and Politics. An International Perspective, New York: 2015, S. 215. Bild: John D. Rockefeller (1839-1937) um 1900 (Ausschnitt), gemeinfrei.

  • Ernst Jünger

    Seien wir auf der Hut vor der größten Gefahr, die es gibt – davor, daß uns das Leben etwas Gewöhnliches wird. Welcher Stoff zu bewältigen ist und welche Mittel zur Verfügung stehen – jene Wärme des Blutes, die unmittelbar Fühlung nimmt, darf nicht verloren gehen. Der Feind, der sie besitzt, ist uns wertvoller als der Freund, der sie nicht kennt.

    Aus: Ernst Jünger, Das abenteuerliche Herz, erste Fassung, siebenter Eintrag.

  • Unsere Schuld

    Es ist alles unsere Schuld. Denn wir haben die Krawatte weggelassen. Offene Hemden finden wir bequemer. Dann haben wir begonnen, nicht mehr „Guten Tag“ zu sagen, sondern „Tag auch“.

    Alles unsere Schuld. Denn nach den Krawatten sind die Anzüge verschwunden. Chinos und Sakko geht ja auch. Und die Chinos kann man selber waschen. Das finden wir bequemer, wie es ja auch reicht, „Hi“ oder „Hallo“ zu sagen. Schließlich sind wir alle gleich. Dann haben wir unterlassen, unser Latein und Griechisch zu pflegen. Die Übersetzungen sind okay. Das paßt schon. Einer Dame in den Mantel helfen? Überholt.

    Alles unsere Schuld. Denn nach den Anzügen sind die Sakkos im Schrank geblieben. Wozu so förmlich? Das ist bequemer. Dann haben wir begonnen, statt der Klassiker über die Klassiker zu lesen. Das geht schneller. Die Kenner teilen uns das Wesentliche mit, und wir sind hinreichend orientiert. Unsere Frau oder Freundin kann sich die Beifahrertür selber öffnen. Und der Sonntagmorgen ist zum Ausschlafen da.

    Unsere Schuld. Denn inzwischen sind sommers die langen Hosen verschwunden; kurze tun’s auch. Wozu sich quälen? Hat doch keinen Sinn! Oder doch? Denn vor einiger Zeit haben wir uns zu wundern bekommen, weshalb unsere und andere Kinder aufwachsen, als hätten sie keine Vorbilder um und vor sich. Kommt die Rede auf Johann Sebastian Bach, Andrea Palladio oder Thomas Mann, ja selbst auf’s Rasenmähen, gähnt uns blasierte Faulheit entgegen.