Stil im Alltag

  • Seiten-Harmonie

    Hochinteressanter Artikel über die Frage, wie man harmonische Buchseiten baut. Auch für Zeitschriften-Artikel zu gebrauchen. Mehr bei Retinart.

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    Leszek Kołakowski über die politische Kultur der Bundesrepublik Deutschland im zweiten Jahrzehnt des einundzwanzigsten Jahrhunderts

    Aus den Dreizehn Fabeln aus dem Königreich Lailonien für groß und klein (13 bajek z królestwa Lailonii dla dużych i małych), im polnischen Original zuerst 1963 erschienen:

    Über die Stadt Ruru herrschte der gestrenge Gott Maior. Der Gott Maior hatte ein eigenes Gesetz erlassen, dem sich alle fügen mußten. In den Verordnungen des Gottes hieß es unter anderem:

    I. Man muß wissen, daß alles, was für die Menschen unten, für Gott oben ist, und – umgekehrt – was für die Menschen oben, für Gott unten ist.

    II. Wer verneint, daß für Gott alles unten ist, was für die Menschen oben ist –  und umgekehrt -, wird in die Hölle gestoßen. Wer aber nach dem Gesetz handelt, kommt in den Himmel.

    III. Wer auf Erden nicht irrt, der kann sich auch nach dem Tode nicht irren, aber wer auf Erden irrt, der kann sich auch nach dem Tode nicht bessern.

    Der Gott Maior erließ noch andere Verordnungen, doch diese drei waren die wichtigsten. Sie wurden allen Menschen verkündet, damit später niemand zu seiner Entschuldigung sagen könne, er habe nichts davon gewußt. Fast alle, die zuhörten, wiederholten laut, daß alles, was für sie oben, für Gott unten sei und umgekehrt; schließlich wollte keiner in die Hölle kommen. Übrigens galt es, den Wortlaut dieser Gesetze möglichst häufig zu wiederholen, um solcherart zu zeigen, daß man ihn kenne, und um sich bei Gott in Erinnerung zu bringen. Wenn also zum Beispiel ein Lehrer den Kindern in der Schule erklärte, daß die Bäche zu Tal fließen, fügte er sogleich hinzu: „Für Gott aber fließen sie den Berg hinauf.“ […] Deutete einer auf einen Vogel, der in die Höhe flog, hatte er zugleich zu betonen, für Gott fliege der Vogel nach unten usw. Mit der Zeit gewöhnten sich die Menschen an diese Art zu sprechen, ja, sie waren sogar zufrieden damit, denn je öfter sie dies taten, desto sicherer waren sie, daß der Gott Maior sie nach ihrem Tode zu sich nähme.

    (Zitiert nach der – meinerseits veränderten – Übersetzung von Mikołaj Dutsch; in: Leszek Kolakowski, Der Himmelsschlüssel, München 1992, S. 163-164. Dutsch‘ Übertragung wurde anhand des Originals durchgesehen und überarbeitet. Original: Leszek Kołakowski, 13 bajek z królestwa Lailonii dla dużych i małych oraz inne bajki, Warszawa 1998, S. 47-48. Bild: Niederländisches Nationalarchiv, via Wikimedia Commons.)

  • Alles falsch

    Die Zeiten sind schlecht: die freiheitsverbürgenden Institutionen der Bundesrepublik Deutschland werden umgangen oder geben sich selbst auf, bestürzend viele Maschinen der Luftwaffe sind flugunfähig, und der Besuch von Läden, in denen Herrenbekleidung angeboten wird, macht auch immer weniger Freude. Was hat man dem bürgerlichen, westlichen Kleidungsstück schlechthin, dem Anzug und seinen Ablegern, dem Sportsakko etc. angetan?! Werfen Sie einen Blick auf unser (durchaus ansehnliches) Modell: Die Jacke wirkt im ganzen zu kurz, wie eingelaufen. Die Rockschöße müßten wenigstens vier Zentimeter länger sein, um als Rockschöße durchgehen zu können; wie sie sind, taugen sie allenfalls als Joppenschößchen. Über die Position der Knöpfe wäre ein ganzer Traktat zu schreiben; das nach oben gerutschte Revers verdiente ebenfalls ein paar Worte.  Und dann die Schulterpartie, du meine Güte: Die schwindsüchtigen Schulterpölsterchen tragen zum Eindruck des Eingelaufen-Seins bei; im Zusammenspiel mit den zu kurzen Rockschößen mindern sie den sowohl streckenden als auch, auf Höhe der Schultern, verstärkenden Eindruck, den klassische Herrenbekleidung hervorzurufen pflegt. Die gesamte Silhouette wirkt im besten Fall adoleszent, in freier Wildbahn aber, wo das Sakko kaum noch das obere Drittel der Gesäßtaschen von (unserem Modell in der Regel an Anmut unterlegenen) Jeans- und Chinosträgern bedeckt, enervierend unbeholfen: Man hat den Eindruck, eine Parodie vor sich zu sehen…

    Insofern freilich paßt der Trend gar nicht schlecht: Nachbürgerliche Kleidung für eine Gesellschaft, die alles sein will, nur nicht bürgerlich.

     (Sie finden das ungerecht? Immerhin habe ich für das Beitragsbild ein noch recht manierliches Beispiel ausgewählt. Klicken Sie, schauen Sie ein wenig herum: Schlimmer geht’s immer.)

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    Zbigniew Herbert: Mój ojciec (in deutscher Übersetzung)

    Mój ojciec bardzo lubił France’a
    i palił Przedni Macedoński
    w niebieskich chmurach aromatu
    smakował uśmiech w wargach wąskich
    i wtedy w tych odległych czasach
    gdy pochylony siedział z książką
    mówiłem: ojciec jest Sindbadem
    i jest mu z nami czasem gorzko

    przeto odjeżdżał Na dywanie
    na czterech wiatrach Po atlasach
    biegliśmy za nim zatroskani
    a on się gubił W końcu wracał
    zdejmował zapach kładł pantofle
    znów chrobot kluczy po kieszeniach
    i dni jak krople ciężkie krople
    i czas przemija lecz nie zmienia

    na święta raz firanki zdjęto
    przez szybę wyszedł i nie wrócił
    nie wiem czy oczy przymknął z żalu
    czy głowy ku nam nie odwrócił
    raz w zagranicznych ilustracjach
    widziałem jego fotografię
    gubernatorem jest na wyspie
    gdzie palmy są i liberalizm

    *

    Mein Vater liebte Anatole France
    und rauchte Selbstgedrehte
    in den himmelfarbenen Duft-Wolken
    schmeckte ihm sein Lächeln auf den schmalen Lippen
    und damals in diesen weit zurückliegenden Zeiten
    als er gebeugt saß über einem Buch
    sagte ich: Vater ist ein Sindbad
    und mit uns ist es ihm manchmal bitter

    weshalb er aufbrach Auf dem Teppich
    auf allen Winden Durch die Atlanten
    rannten wir ihm nach voller Sorge
    doch er blieb verloren Am Ende kehrte er zurück
    legte den Duft ab schlüpfte in die Pantoffeln
    aufs neue das Geräusch der Schlüssel in den Taschen
    und Tage wie Tropfen schwere Tropfen
    und die Zeit vergeht aber sie verändert nicht

    einmal vor den Feiertagen nahmen wir die Gardine ab
    da ging er durch die Scheibe hinaus und kehrte nicht wieder
    ich weiß nicht ob er bedauernd die Augen halb schloß
    ob er sein Haupt nicht uns zuwandte
    einmal in einer ausländischen Illustrierten
    habe ich sein Bildnis gesehen
    er ist Gouverneur auf einer Insel
    wo es Palmen gibt und Liberalismus

    ***

    Nach: Anna Rajca, Jerzy Polanicki, Poezja polska od średniowiecza do współczesności, Warszawa 2001, S. 561.

    Wer, des Polnischen nicht mächtig, den Klang des Originals hören möchte, findet hier eine Lesung durch den Schauspieler Marek Kondrat. Eine vertonte Version hier.

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    Konstanty Ildefons Gałczyński: Rozmowa liryczna (in deutscher Übersetzung)

    – Powiedz mi, jak mnie kochasz.
    – Powiem.
    – Więc?
    – Kocham cie w słońcu. I przy blasku świec.
    Kocham cię w kapeluszu i w berecie.
    W wielkim wietrze na szosie, i na koncercie.
    W bzach i w brzozach, i w malinach, i w klonach.
    I gdy śpisz. I gdy pracujesz skupiona.
    I gdy jajko roztłukujesz ładnie
    nawet wtedy, gdy ci łyżka spadnie.
    W taksówce. I w samochodzie. Bez wyjątku.
    I na końcu ulicy. I na początku.
    I gdy włosy grzebieniem rozdzielisz.
    W niebezpieczeństwie. I na karuzeli.
    W morzu. W górach. W kaloszach. I boso.
    Dzisiaj. Wczoraj. I jutro. Dniem i nocą.
    I wiosną, kiedy jaskółka przylata.
    – A latem jak mnie kochasz?
    – Jak treść lata.
    – A jesienią, gdy chmurki i humorki?
    – Nawet wtedy, gdy gubisz parasolki.
    – A gdy zima posrebrzy ramy okien?
    – Zimą kocham cię jak wesoły ogień.
    Blisko przy twoim sercu. Koło niego.
    A za oknami śnieg. Wrony na śniegu.

    *

    „Sag mir, wie Du mich liebst.“
    „Werd’ ich.“
    „Also?“
    „Ich liebe Dich in der Sonne. Und im Licht der Kerzen.
    Ich liebe Dich im Hut und in der Baskenmütze;
    Im starken Wind auf der Straße und im Konzertsaal,
    In Fliedern und unter Birken, in Himbeersträuchern und unter Ahornbäumen.
    Und wenn Du schläfst. Und wenn Du konzentriert arbeitest.
    Und wenn Du Dein Frühstücksei so schön aufschlägst
    Sogar dann, wenn Dir der Löffel herunterfällt.
    Im Taxi. Und im Auto. Ohne Ausnahme.
    Und am Anfang der Straße. Und an deren Ende.
    Und wenn Du Deine Haare mit dem Kamm teilst.
    In der Gefahr. Und auf dem Karussell.
    Im Meer. In den Bergen. In Pantoffeln. Und barfuß.
    Heute. Gestern. Und morgen. Tags und in der Nacht.
    Und im Frühling, wenn die Schwalben kommen.“
    „Und sommers, wie liebst Du mich da?“
    „Wie das Wesen des Sommers.“
    „Und im Herbst, wenn es Schauer und Launen gibt?“
    „Sogar dann, wenn Du den Schirm verbaselst.“
    „Und wenn der Winter die Fensterrahmen silbern überzieht?“
    „Im Winter liebe ich Dich wie ein lustiges Feuerchen.
    Ganz nah an Deinem Herzen. Bei ihm.
    Und draußen vor den Fenstern Schnee, Krähen auf ihm.“

    ***

    Nach: Anna Rajca, Jerzy Polanicki, Poezja polska od średniowiecza do współczesności, Warszawa 2001, S. 447.