Stil im Alltag

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    Zbigniew Herbert: Mój ojciec (in deutscher Übersetzung)

    Mój ojciec bardzo lubił France’a
    i palił Przedni Macedoński
    w niebieskich chmurach aromatu
    smakował uśmiech w wargach wąskich
    i wtedy w tych odległych czasach
    gdy pochylony siedział z książką
    mówiłem: ojciec jest Sindbadem
    i jest mu z nami czasem gorzko

    przeto odjeżdżał Na dywanie
    na czterech wiatrach Po atlasach
    biegliśmy za nim zatroskani
    a on się gubił W końcu wracał
    zdejmował zapach kładł pantofle
    znów chrobot kluczy po kieszeniach
    i dni jak krople ciężkie krople
    i czas przemija lecz nie zmienia

    na święta raz firanki zdjęto
    przez szybę wyszedł i nie wrócił
    nie wiem czy oczy przymknął z żalu
    czy głowy ku nam nie odwrócił
    raz w zagranicznych ilustracjach
    widziałem jego fotografię
    gubernatorem jest na wyspie
    gdzie palmy są i liberalizm

    *

    Mein Vater liebte Anatole France
    und rauchte Selbstgedrehte
    in den himmelfarbenen Duft-Wolken
    schmeckte ihm sein Lächeln auf den schmalen Lippen
    und damals in diesen weit zurückliegenden Zeiten
    als er gebeugt saß über einem Buch
    sagte ich: Vater ist ein Sindbad
    und mit uns ist es ihm manchmal bitter

    weshalb er aufbrach Auf dem Teppich
    auf allen Winden Durch die Atlanten
    rannten wir ihm nach voller Sorge
    doch er blieb verloren Am Ende kehrte er zurück
    legte den Duft ab schlüpfte in die Pantoffeln
    aufs neue das Geräusch der Schlüssel in den Taschen
    und Tage wie Tropfen schwere Tropfen
    und die Zeit vergeht aber sie verändert nicht

    einmal vor den Feiertagen nahmen wir die Gardine ab
    da ging er durch die Scheibe hinaus und kehrte nicht wieder
    ich weiß nicht ob er bedauernd die Augen halb schloß
    ob er sein Haupt nicht uns zuwandte
    einmal in einer ausländischen Illustrierten
    habe ich sein Bildnis gesehen
    er ist Gouverneur auf einer Insel
    wo es Palmen gibt und Liberalismus

    ***

    Nach: Anna Rajca, Jerzy Polanicki, Poezja polska od średniowiecza do współczesności, Warszawa 2001, S. 561.

    Wer, des Polnischen nicht mächtig, den Klang des Originals hören möchte, findet hier eine Lesung durch den Schauspieler Marek Kondrat. Eine vertonte Version hier.

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    Konstanty Ildefons Gałczyński: Rozmowa liryczna (in deutscher Übersetzung)

    – Powiedz mi, jak mnie kochasz.
    – Powiem.
    – Więc?
    – Kocham cie w słońcu. I przy blasku świec.
    Kocham cię w kapeluszu i w berecie.
    W wielkim wietrze na szosie, i na koncercie.
    W bzach i w brzozach, i w malinach, i w klonach.
    I gdy śpisz. I gdy pracujesz skupiona.
    I gdy jajko roztłukujesz ładnie
    nawet wtedy, gdy ci łyżka spadnie.
    W taksówce. I w samochodzie. Bez wyjątku.
    I na końcu ulicy. I na początku.
    I gdy włosy grzebieniem rozdzielisz.
    W niebezpieczeństwie. I na karuzeli.
    W morzu. W górach. W kaloszach. I boso.
    Dzisiaj. Wczoraj. I jutro. Dniem i nocą.
    I wiosną, kiedy jaskółka przylata.
    – A latem jak mnie kochasz?
    – Jak treść lata.
    – A jesienią, gdy chmurki i humorki?
    – Nawet wtedy, gdy gubisz parasolki.
    – A gdy zima posrebrzy ramy okien?
    – Zimą kocham cię jak wesoły ogień.
    Blisko przy twoim sercu. Koło niego.
    A za oknami śnieg. Wrony na śniegu.

    *

    „Sag mir, wie Du mich liebst.“
    „Werd’ ich.“
    „Also?“
    „Ich liebe Dich in der Sonne. Und im Licht der Kerzen.
    Ich liebe Dich im Hut und in der Baskenmütze;
    Im starken Wind auf der Straße und im Konzertsaal,
    In Fliedern und unter Birken, in Himbeersträuchern und unter Ahornbäumen.
    Und wenn Du schläfst. Und wenn Du konzentriert arbeitest.
    Und wenn Du Dein Frühstücksei so schön aufschlägst
    Sogar dann, wenn Dir der Löffel herunterfällt.
    Im Taxi. Und im Auto. Ohne Ausnahme.
    Und am Anfang der Straße. Und an deren Ende.
    Und wenn Du Deine Haare mit dem Kamm teilst.
    In der Gefahr. Und auf dem Karussell.
    Im Meer. In den Bergen. In Pantoffeln. Und barfuß.
    Heute. Gestern. Und morgen. Tags und in der Nacht.
    Und im Frühling, wenn die Schwalben kommen.“
    „Und sommers, wie liebst Du mich da?“
    „Wie das Wesen des Sommers.“
    „Und im Herbst, wenn es Schauer und Launen gibt?“
    „Sogar dann, wenn Du den Schirm verbaselst.“
    „Und wenn der Winter die Fensterrahmen silbern überzieht?“
    „Im Winter liebe ich Dich wie ein lustiges Feuerchen.
    Ganz nah an Deinem Herzen. Bei ihm.
    Und draußen vor den Fenstern Schnee, Krähen auf ihm.“

    ***

    Nach: Anna Rajca, Jerzy Polanicki, Poezja polska od średniowiecza do współczesności, Warszawa 2001, S. 447.

  • Daß sich die Balken biegen: deutsche Medien und Fukushima

    Vor fünf Jahren hat ein Tsunami in Japan viele Tausend Menschenleben gefordert. Im Verlauf dieser Katastrophe kam es zu einem schweren Störfall im Kernkraftwerk von Fukushima. Das klingt wie eine Katastrophe in der Katastrophe; doch hat die zuständige UN-Kommission festgestellt, es habe keine durch die Havarie im Kraftwerk bewirkte Todesopfer gegeben; sofern sich das Krebsrisiko für die rasch evakuierten Anwohner und deren Kinder erhöht habe, sei es nicht meßbar (UNSCEAR – United Nations Scientific Committee on the Effects of Atomic Radiation; UNSCEAR 2013 Report Factsheet).

    Eine gute Nachricht also in der schlechten Nachricht.

    Genau das scheint deutsche Medien zu stören. Darunter auch die Facebook-Zuständigen der Bundesregierung, die mit einem mehr als mißverständlichen Eintrag aufwarten, wie oben abgebildet.

    Was die Flagg- und Linienschiffe der deutschen Medienlandschaft in Sachen Fukushima zu bieten haben, biegt mehrzollige Balken. Der Deutschlandfunk titelt auf seiner Homepage: „Gedenken an Fukushima-Opfer“, der SWR 2 auf der seinigen: „Fünf Jahre nach Atomkatastrophe“. Der Intro-Text zu einem Artikel der BZ lautet: „Vor genau fünf Jahren kam es in Fukushima nach einem verheerenden Seebeben zur Kernschmelze. Mehr als 18.000 Menschen starben.“ – Eine reichhaltige Übersicht mit vielen Bildern (Screenshots) finden Sie bei Roland Tichy.

  • Wie wenig sich doch ändert

    Anton Tschechow schreibt rund ein Jahrzehnt vor der Wende zum zwanzigsten Jahrhundert:

    А вот мрачные, давно не ремонтированные университетские ворота; скучающий дворник в тулупе, метла, кучи снега… На свежего мальчика, приехавшего из провинции и воображающего, что храм науки в самом деле храм, такие ворота не могут произвести здорового впечатления. Вообще ветхость университетских построек, мрачность коридоров, копоть стен, недостаток света, унылый вид ступеней, вешалок и скамей в истории русского пессимизма занимают одно из первых мест на ряду причин предрасполагающих… Вот и наш сад. С тех пор как я был студентом, он, кажется, не стал ни лучше, ни хуже. Я его не люблю. Было бы гораздо умнее, если бы вместо чахоточных лип, желтой акации и редкой стриженой сирени росли тут высокие сосны и хорошие дубы. Студент, настроение которого в большинстве создается обстановкой, на каждом шагу, там, где он учится, должен видеть перед собою только высокое, сильное и изящное… Храни его бог от тощих деревьев, разбитых окон, серых стен и дверей, обитых рваной клеенкой.

    Das ist: „Und hier sind die düsteren, lange nicht erneuerten Tore zur Universität; der sich langweilende Hausmeister im Bauernpelz, ein Besen, Schneehaufen… Auf einen frisch aus der Provinz eingetroffenen jungen Mann, der sich vorstellt, ein Tempel der Wissenschaft sei tatsächlich ein Tempel, können solche Tore keinen guten Eindruck machen. Überhaupt stellen der fortgeschrittene Grad des Verfalls bei den Universitätsgebäuden, die Düsterkeit der Korridore, der Ruß an den Mauern, der Mangel an Licht, die Trostlosigkeit der Treppen, der Kleiderhaken und Bänke in der Geschichte des russischen Pessimismus eine seiner wichtigsten Ursachen dar… Und hier haben wir unseren Garten. Seit der Zeit, als ich Student war, ist er, scheint es, weder besser, noch schlechter geworden. Ich mag ihn nicht. Es wäre weit vernünftiger, wenn hier statt der schwindsüchtigen Linden, der gelb gewordenen Akazie und des schütteren, zurückgeschnittenen Flieders hohe Kiefern und schöne Eichen wüchsen. Ein Student, dessen Einstellung zum Großteil durch das Ambiente bestimmt wird, sollte dort, wo er lernt, auf Schritt und Tritt nur Hohes, Kräftiges und Elegantes vor sich haben. Gott bewahre ihn vor dürren Bäumen, zerschlagenden Fenstern, grauen Wänden und Türen, die mit rissigem Wachstuch bezogen sind.“

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  • Salome in der Deutschen Oper Berlin

    Eine Kritik von Nils Gösche (Gastbeitrag)

    War am 3. Februar  in der Deutschen Oper  und habe mir die neue Salome-Inszenierung von Claus Guth angesehen.

    Das Orchester unter der Leitung von Alain Altinoglu war gut; da wird die Deutsche Oper immer besser. Da war genug Energie und Klangreichtum, um die wilde, schmerzend-hypnotisch-traumartige Musik von Richard Strauss angemessen wiedergeben zu können.

    Eigentlich hätte Salome von Catherine Naglestad gesungen werden sollen, aber die war wegen einer Rippenprellung unabkömmlich. Stattdessen sahen wir nun die junge Allison Oakes als Salome. Sie ist eine gute Sängerin mit viel Talent, aber Salome ist noch etwas zuviel für sie. Die tieferen Passagen konnte sie nur mit viel Mühe heraushauchen und auch in den höheren Lagen fehlte einfach noch etwas Dynamik. Aber das kann ja noch werden. Im großen und ganzen ein eindrucksvoller Auftritt, besonders wenn man bedenkt, daß sie so kurzfristig eingesprungen ist.

    Am besten gefielen mir die gestandenen Künstler Jeanne-Michèle Charbonnet als Herodias und Michael Volle als Jochanaan. Da gibt es gar nicht viel zu sagen, das war perfekt. Auch Burkhard Ulrich als Herodes war überzeugend, hatte aber weniger Wucht als die beiden vorgenannten.

    Eine einzige Katastrophe war leider die Inszenierung von Claus Guth. Die Handlung wurde in einen Schneiderladen aus den 50er Jahren transferiert, und der wilde, blutrünstige, biblisch-heidnische Stoff wurde von Menschen in 50er-Jahre Anzügen und Kleidchen dargestellt. Der Regisseur hatte es sich in den Kopf gesetzt, Salome als eine Art zartes Pflänzchen und Opfer darzustellen, das in seiner Jugend vom bösen Herodes sexuell mißbraucht worden war, was dann ihre Handlungen erklären und entschuldigen sollte, auf »psychoanalytische Weise«, wie der gelahrte Schweizer in seinem Einführungsvortrag erläuterte.

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