Stil im Alltag

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    Zum Stand der Gedankenfreiheit in der Bundesrepublik Deutschland

    Drei Beispiele privaten, ‚unscheinbaren‘ und gerade deshalb bedeutenden Charakters.

    (1) Unter den Kommentaren zu einem Artikel von Bettina Röhl, der dem Thema „Gender“ gewidmet ist, finden sich die folgenden Bemerkungen:

    Habe den Artikel gelesen, fand ihn prima, wollte ihn auf Facebook teilen – und habe dann erstmal innegehalten… ich schäme mich es zu sagen, aber ich habe es dann gelassen… ich kann es mir einfach nicht leisten: ich arbeite in einem der größeren deutschen Konzerne, die HR-Abteilung ist fast komplett weiblich, und ich habe viele Kollegen nach und nach in FB hinzugefügt – wenn ich Ihren Artikel jetzt teile weiß ich genau, dass ich manchen Leuten eine Steilvorlage biete, mich als Frauen”feind” einzuordnen…
    Ich kenne solche Geschichten: in einer Sales-Abteilung wurde der alte Abteilungsleiter abgelöst. Die Leute haben erst mal rumgemosert, wie es halt so ist wenn etwas gewohntes durch etwas neues ersetzt wird. Nun das Problem: der neue Abteilungsleiter war eine Frau. Prompt wurde den drei Sales Managern die rumgemosert hatten unterstellt, sie hätten etwas gegen Frauen als Führungskräfte – dann wurde eine Beratungsfirma ins Haus geholt und die ganze Abteilung musste für Geschlechtergerechtigkeit sensibilisiert werden. Dabei war es einfach nur das ganz normale low level-Gebrummel, das man immer hat wenn sich etwas ändert – ob jetzt Software, Abteilungsabläufe, Bonusstruktur etc. – hätte man den alten durch einen neuen männlichen Abteilungsleiter ersetzt, hätte es das anfängliche Gemosere genauso gegeben. Aber auf diese Weise wird ein Strick mit Namen “Frauenfeindlichkeit” draus gedreht…

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    Am deutschen Gutmensch-Wesen soll die Welt genesen

    Nicolaus Fest trifft den Nagel auf den Kopf:

    Über Jahrzehnte war die Richtlinie der deutschen Außenpolitik, aber auch die Einstellung der hiesigen Medien, Kommentatoren und Intellektuellen zum Ausland in einem Wort zu fassen: Zurückhaltung. Nachdem die Deutschen zweimal Europa in Brand gesteckt hatten, schien Bescheidenheit nicht die dümmste Direktive. Und wann immer jemand meinte, einmal mehr zu wissen, wie dieser Planet sich drehen müsse, warnten vor allem Linke mit dem Hinweis auf die nationalsozialistische Propaganda vom deutschen Wesen, an dem die Welt genesen solle. Falsch war diese Haltung nicht.

    Heute jedoch: Vergessen und vorbei. Nun herrschen wieder deutsche Selbstgewißheit und deutsches Sendungsbewußtsein. Ob Politker oder Journalisten, viele betrachten die Aufnahme von Afrikanern, Syrern oder Libyern als Konsequenz der ‚europäischen Werte’ – und was das sind, wissen nur sie allein. 20 von 28 europäischen Staaten wollen keine ‚Flüchtlinge’ aufnehmen, haben also durchaus ein anderes Verständnis der oft beschworenen Wertegemeinschaft – aber kaum einen Kommentator oder Politiker ficht es an. Wir Deutschen wissen es eben besser! Schon kommen Vorschläge, dass widerspenstige Staaten aus der EU ausgeschlossen werden sollten. Und nirgends auch nur der leiseste Selbstzweifel. Die alte deutsche Arroganz.

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    Freilich war und ist dergleichen Selbstüberhebung bundesdeutscher Eliten auch anderweitig zu beobachten – etwa in der Umwelt- und Energiepolitik, aber nicht nur dort. Drollig, was ‚man‘ alles schaffen, alles auf einmal schaffen möchte: Den ‚Klimawandel‘ aufhalten, ohne Kernenergie und mit ganz, ganz wenig fossilen Brennstoffen eine Industrienation am Laufen halten, Griechenland (und wohl bald auch andere Mittelmeer-Ökonomien) ‚retten‘, den Haushalt der Bundesrepublik Deutschland konsolidieren, halb- oder zur Gänze analphabetische Einwanderer zu Fachkräften und guten Demokraten wandeln, das bestehende Prekariat in einen per Mindestlohn künstlich verengten Arbeitsmarkt einbinden… Fern im ultra posse lacht der Cäsarenwahn.

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    Unernsthaftigkeit, die Geißel Deutschlands

    Über die deutsch-polnische Grenze nach Westen. Einige hundert Meter nach der Neiße-Brücke begrüßt uns ein neues Tempolimit mit der Zusatzinformation „Straßenschäden“. Währenddessen hören wir im Radio, daß der Tarifkampf in der staatlich-halbstaatlichen Kinder-Betreuungsindustrie bislang zu keinem Ergebnis geführt habe und darum fortgesetzt werden müsse. In Norddeutschland werde die Gründung einer neuen Windkraftwerk-Fabrik begrüßt. Das schaffe Jobs. – Daß diese ‚Jobs‘ zu steuerfinanzierter Beschäftigungstherapie gereichen, zu illustrieren geeignet sind, was Crony Capitalism ausmacht, scheint in der lokalen Presse niemanden zu berühren.

    Sachsen-Anhalt, BAB 14. Wiederum neue Tempolimits, wiederum mit der Zusatzinformation „Straßenschäden“. Teils achtzig, teils sechzig(!) Stundenkilometer werden vorgeschrieben – über nicht unerhebliche Strecken, auf einer der Hauptverkehrsadern der Republik. Im Radio hören wir, daß abertausende ‚Flüchtlinge‘ aufgenommen werden sollen, außerdem, daß in Frankreich der Anschlag eines radikalen Moslems auf den Thalys-Expreßzug verhindert worden sei. Ein bemerkenswertes Detail: Zwei private Stationen nennen die US-amerikanische Herkunft der drei beherzten Touristen, die zusammen mit einem älteren Briten den Terroristen überwältigt haben; der sachsen-anhaltinische Staatsfunk verschweigt sie. Möchte man seiner emaskulierten Hörerschaft den Vergleich ersparen?

  • Druck Dir Deinen Pullover

    Während Deutschland darüber diskutiert, ob es die Schiefergas-Gewinnung zur Gänze oder bloß zu 97,35% verbieten will, wird anderswo die Zukunft erfunden. Voilà: der Electroloom, ein 3D-Drucker, mit dem sich nahtlose Textilien herstellen lassen. (Und Sie wundern sich, daß das Interesse am Deutschen als Fremdsprache abnimmt?)

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    ‚Rassismus‘ in Baltimore

    „Schwarze randalieren,“ – „zerstören die Geschäfte von Schwarzen,“ – „nachdem ein Schwarzer nach seiner Verhaftung stirbt“ – „dreier schwarzer Polizisten wegen,“ – „die einer städtischen Polizei angehören, in der zu 43% Schwarze angestellt sind,“ – „unter einer schwarzen Bürgermeisterin“ – „und einer schwarzen leitenden Staatsanwältin,“ – „in einer Stadt, die seit über 50 Jahren von der Demokratischen Partei regiert wird.“ – „Also macht die erste schwarze und weibliche Generalbundesanwältin der Vereinigten Staaten,“ – „die der erste schwarze US-Präsident ernannt hat,“ – „Rassismus und Konservative dafür verantwortlich.“

    H/T Soopermexican.

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    Theodore Dalrymple (Anthony Daniels): Johann Sebastian Bach als Schutz vor verwahrlosten und gewalttätigen Jugendlichen

    Einige Passagen aus dem bereits sechs Jahre alten Artikel „When Hooligans Bach Down“ von Theodore Dalrymple, in zuweilen getreuer, zuweilen etwas freierer Übersetzung:

    Vor einiger Zeit habe ich in der Zeitung gelesen, wie einige Ladenbesitzer Nordenglands verhindern, daß vor ihren Geschäften verwahrloste und gewalttätige Jugendliche herumlungern, Kunden belästigen, vergraulen oder ausrauben. Sie spielen Bach über Lautsprecher, die vor dem Laden angebracht sind. Das vertreibt die Jugendlichen im Nu; sie fliehen, wie ein Graf Dracula vor Weihwasser, Knoblauchknollen und Kruzifixen die Flucht ergreift.

    Es liegt etwas zutiefst Bezeichnendes darin, wenn eine der Perlen abendländischer Kultur, die Musik von Johann Sebastian Bach, dazu gebraucht wird, die jungen Erben ebenjener Kultur davon abzuhalten, Verbrechen zu begehen. Die Barbaren sind nicht mehr vor den Mauern, sie sind längst in der Stadt.

    Dalrymple fährt fort:

    Das Beispiel der nordenglischen Ladenbesitzer erinnert an eine Geschichte, die der große belgische Sinologe Simon Leys in seiner Essay-Sammlung Le bonheur des petits poissons erzählt. Ley berichtet, wie er in einem Café gesessen habe. Die anderen Gäste plauderten, spielten Karten und tranken etwas. Das Radio gab banale Popmusik und oberflächliche bis dümmliche Kommentare von sich. Plötzlich aber – und ohne einen erkennbaren Grund – übertrug es den ersten Satz von Mozarts Klarinettenquintett und machte aus dem Café „das Vorzimmer zum Paradies“, wie Leys sich ausdrückt. Die Gäste verharrten in allem, was sie taten, as seien sie erschrocken. Dann stand einer von ihnen auf, ging zum Radio und stellte es auf eine andere Station um, die banale Popmusik und oberflächliche bis dümmliche Kommentare brachte. Allgemeine Erleichterung stellte sich ein, als ob die Gäste verspürt hätten, daß die Schönheit und Kultiviertheit der Musik Mozarts einen Tadel bilde, der ihrem Leben gelte und auf den sie keine andere Antwort wüßten, als – Mozart abzuschalten.