…aus Deutschland, den ich da kürzlich in Krakau getroffen habe. Doch hat er alle Üblichkeiten des sozialstaatlich-ökologischen Konsenses so brav repetiert, daß ich an Stanisław Jerzy Lec‘ Aphorismus denken mußte: „Czasem psy merdają łańcuchem.“ (Das ist: Manchmal wedeln die Hunde mit ihrer Kette.)
Quelle: Stanisław Jerzy Lec, Myśli nieuczesane, Warschau 2017, S. 198. Bild: John Singer Sargent: Zeichnung von Edwin Austin Abbey (Wikimedia, gemeinfrei).
Wie aus dem Bericht des NATO-Generalsekretärs für das Jahr 2017 hervorgeht, tragen wir – die Bundesrepublik Deutschland – weit weniger Kosten für unsere Verteidigung, als wir sollten. Wir liegen beträchtlich unter den geforderten 2,0 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt (GDP) und geben von diesem Wenigen zu wenig für Material aus – Waffensysteme, Fahr- und Flugzeuge, Schiffe.
Der gute CDR Salamander kommentiert die zweite Graphik, wie folgt:
If you are in the top-right grid – you are doing your share or more, and have something to fight with.
If you are in the upper-left – you have something to bring to the fight, but you are not spending your fair share.
If you are in the lower-right, you are spending a lot, but it is mostly on bodies.
If you are in the lower-left, not only are you a welfare queen, you are sitting in a hammock wearing nothing but shorts, a t-shirt, and flip flops while your neighbors are working to keep the wolf at bay.
(Wenn Sie im oberen rechten Viertel auftauchen, investieren Sie, was Sie sollen oder mehr, und Ihre Jungs haben etwas, mit dem sie kämpfen können.
Wenn Sie sich im oberen linken Viertel wiederfinden, haben Ihre Jungs etwas, mit dem sie kämpfen können, aber Sie investieren weniger, als Sie sollten.
Wenn Sie im rechten unteren Viertel erscheinen, investieren Sie eine Menge Geld, allerdings in (künftige) Leichen.
Wenn Sie das linke untere Viertel bevölkern, liegen Sie wie der Hartz-IV-König auf seiner Hängematte, in kurzen Hosen, einem T-Shirt und Badeschuhen, während Ihre Nachbarn dafür sorgen, daß die Wölfe nicht über Sie herfallen.)
Überzogen? Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht. Und was dann?
Polen erfüllt die NATO-Vorgaben. Warum nicht die Bundesrepublik Deutschland?
Es ist mir ein ganz besonderes Vergnügen, ankündigen zu dürfen, daß Sonderlichs Sondierungen vor wenigen Tagen erschienen sind. Das Buch ist versandkostenfrei beim Verlag und bei Amazon zu beziehen, natürlich auch im gewöhnlichen Buchhandel erhältlich.
Was ist drin? Die Aufzeichnungen eines Verschollenen, der lange in Berlin ansässig war: Prosastücke zwischen Kurzgeschichte und Essay, außerdem Sonette und andere Gedichte – herausgegeben von meiner Wenigkeit.
Der Inhalt: Vorrede des Herausgebers 9 – Göttingen als Lebensform 15 – In der Kitschkammer 25 – Sonderlichs Verse 33 – Der Narr von der Möckernbrücke 101 – Das ewige England 107 – Aus dem Vorort 117 – An der Grenze 129 – Verzeichnis der Gedichtanfänge und -überschriften 137.
Aus der Vorrede des Herausgebers:
Der Zeichenstand und sonstige Eigentümlichkeiten des Originals wurden erhalten. Dies gilt auch für sämtliche Passagen weltanschaulich haarsträubenden Inhalts. Es mag nicht schaden, wenn ich mich an diesem Ort für alle Geschmack- und Gedankenlosigkeiten Sonderlichs entschuldige, die nachfolgend wiedergegeben werden, sein mangelndes Gespür für politischen und ästhetischen Anstand, sein Defizit an Auf- und Abgeklärtheit, mich bis aufs Knochenmark davon distanziere. Pfui, pfui, pfui, so wahr mir alles, was bundesdeutschen Demokraten, ja sozial verantwortlichen Menschen überall auf der Welt heilig ist, helfe! Mein Halbbruder, der Zahnarzt, ist schuld; er und sein unverschämtes Honorar.
Wem denn Blümlein abgerissen Hab ich / und den Krantz bereitet? Dir und keinem andern / Lieber / Der allein lieb meinem Hertzen.
Trag auf Deinem schönen Haupte Dieses Blühn aus meinen Händen / Trag auch mich allein im Hertzen / Denk auch / nur an mich allein.
Keine Weile ist verflossen / Die ich Deiner nicht gesonnen; Weder Schlaf noch Fron erlösen Mich / die wachliegt oder tagträumt.
Diese Hoffnung trag ich / dasz Du In mir Etwas wollest sehen / Dies mein Sehnen nicht bespöttelst / Es mit Deinem mir vergöltest.
Desz zu schweigen / musz ich scheitern / Was mich zagen macht im Hertzen: Alles hat hier scharfe Augen / Weisz sehr wohl um das / was schön ist.
HErre, Schwestern, das ich bitte / Laszt die Qual mich nicht erfahren / Dasz ein Nachbarsmädchen wildre/ Wo ich selber heg und weine.
Ach, ein jedes andres Trübsal Will ich fromm und fest ertragen / Doch wer hohnspricht meiner Liebe / Bleibt ein Greuel meiner Seele.
Aus dem Lied zu St. Johannis von Jan Kochanowski (1530-1584), Lied des Fräuleins IV. Übersetzung: Karsten Dahlmanns. Bildquelle; zum polnischen Original geht es hier.
Im Unterschied zu verschiedenen Stimmen in Deutschland kann ich nichts Schlimmes daran finden, daß US-Truppen nach Polen verlegt worden sind. Im Gegenteil. Die Sache nimmt sich äußerst positiv aus.
56,4 Prozent der Polen halten die Stationierung der amerikanischen Verbände für etwas, das Polens Sicherheit erhöht. 36, 1 Prozent sind gegenteiliger Auffassung.
Karte: Tweet des polnischen Verteidigungsministeriums.
Update: Interessantes zur Modernisierung der polnischen Luftwaffe hier.
Der Krakauer Pfarrer Wojciech Węgrzyniak erzählt eine Anekdote, die mir nicht übel gefällt:
Na kolacji usiadłem naprzeciw starszego księdza. 45 lat kapłaństwa. W pewnym momencie mówię:
– Jak widzę starszych księży, to im gratuluję, że wytrzymali w kapłaństwie tyle lat. Dla młodszych to jest świadectwo. Już nawet nie pytam o jakość, ale sama ilość robi wrażenie.
Odpowiedź była krótka:
– Nie podoba mi się słowo „wytrzymali“. Ja po to poszedłem do seminarium, żeby być księdzem, a nie żeby wytrzymywać w kapłaństwie.
(Zum Abendessen setzte ich mich einem älteren Priester gegenüber. Fünfundvierzig Jahre Dienst als Geistlicher.
Nach einer Weile sagte ich zu ihm: „Immer wenn ich ältere Priester sehe, gratuliere ich ihnen dafür, so viele Jahre im Priesterstand ausgehalten zu haben. Für uns Jüngere ist das ein Zeugnis. Ich frage gar nicht erst nach der Qualität, schon die Menge macht Eindruck.“
Die Antwort war kurz: „Der Ausdruck ‚ausgehalten zu haben‘ gefällt mir nicht. Ich bin auf das Priesterseminar gegangen, um Priester zu werden, nicht deshalb, weil ich es als Geistlicher ‚aushalten‘ wollte.“)
Mój ojciec bardzo lubił France’a i palił Przedni Macedoński w niebieskich chmurach aromatu smakował uśmiech w wargach wąskich i wtedy w tych odległych czasach gdy pochylony siedział z książką mówiłem: ojciec jest Sindbadem i jest mu z nami czasem gorzko
przeto odjeżdżał Na dywanie na czterech wiatrach Po atlasach biegliśmy za nim zatroskani a on się gubił W końcu wracał zdejmował zapach kładł pantofle znów chrobot kluczy po kieszeniach i dni jak krople ciężkie krople i czas przemija lecz nie zmienia
na święta raz firanki zdjęto przez szybę wyszedł i nie wrócił nie wiem czy oczy przymknął z żalu czy głowy ku nam nie odwrócił raz w zagranicznych ilustracjach widziałem jego fotografię gubernatorem jest na wyspie gdzie palmy są i liberalizm
*
Mein Vater liebte Anatole France und rauchte Selbstgedrehte in den himmelfarbenen Duft-Wolken schmeckte ihm sein Lächeln auf den schmalen Lippen und damals in diesen weit zurückliegenden Zeiten als er gebeugt saß über einem Buch sagte ich: Vater ist ein Sindbad und mit uns ist es ihm manchmal bitter
weshalb er aufbrach Auf dem Teppich auf allen Winden Durch die Atlanten rannten wir ihm nach voller Sorge doch er blieb verloren Am Ende kehrte er zurück legte den Duft ab schlüpfte in die Pantoffeln aufs neue das Geräusch der Schlüssel in den Taschen und Tage wie Tropfen schwere Tropfen und die Zeit vergeht aber sie verändert nicht
einmal vor den Feiertagen nahmen wir die Gardine ab da ging er durch die Scheibe hinaus und kehrte nicht wieder ich weiß nicht ob er bedauernd die Augen halb schloß ob er sein Haupt nicht uns zuwandte einmal in einer ausländischen Illustrierten habe ich sein Bildnis gesehen er ist Gouverneur auf einer Insel wo es Palmen gibt und Liberalismus
***
Nach: Anna Rajca, Jerzy Polanicki, Poezja polska od średniowiecza do współczesności, Warszawa 2001, S. 561.
Wer, des Polnischen nicht mächtig, den Klang des Originals hören möchte, findet hier eine Lesung durch den Schauspieler Marek Kondrat. Eine vertonte Version hier.
– Powiedz mi, jak mnie kochasz. – Powiem. – Więc? – Kocham cie w słońcu. I przy blasku świec. Kocham cię w kapeluszu i w berecie. W wielkim wietrze na szosie, i na koncercie. W bzach i w brzozach, i w malinach, i w klonach. I gdy śpisz. I gdy pracujesz skupiona. I gdy jajko roztłukujesz ładnie nawet wtedy, gdy ci łyżka spadnie. W taksówce. I w samochodzie. Bez wyjątku. I na końcu ulicy. I na początku. I gdy włosy grzebieniem rozdzielisz. W niebezpieczeństwie. I na karuzeli. W morzu. W górach. W kaloszach. I boso. Dzisiaj. Wczoraj. I jutro. Dniem i nocą. I wiosną, kiedy jaskółka przylata. – A latem jak mnie kochasz? – Jak treść lata. – A jesienią, gdy chmurki i humorki? – Nawet wtedy, gdy gubisz parasolki. – A gdy zima posrebrzy ramy okien? – Zimą kocham cię jak wesoły ogień. Blisko przy twoim sercu. Koło niego. A za oknami śnieg. Wrony na śniegu.
*
„Sag mir, wie Du mich liebst.“ „Werd’ ich.“ „Also?“ „Ich liebe Dich in der Sonne. Und im Licht der Kerzen. Ich liebe Dich im Hut und in der Baskenmütze; Im starken Wind auf der Straße und im Konzertsaal, In Fliedern und unter Birken, in Himbeersträuchern und unter Ahornbäumen. Und wenn Du schläfst. Und wenn Du konzentriert arbeitest. Und wenn Du Dein Frühstücksei so schön aufschlägst Sogar dann, wenn Dir der Löffel herunterfällt. Im Taxi. Und im Auto. Ohne Ausnahme. Und am Anfang der Straße. Und an deren Ende. Und wenn Du Deine Haare mit dem Kamm teilst. In der Gefahr. Und auf dem Karussell. Im Meer. In den Bergen. In Pantoffeln. Und barfuß. Heute. Gestern. Und morgen. Tags und in der Nacht. Und im Frühling, wenn die Schwalben kommen.“ „Und sommers, wie liebst Du mich da?“ „Wie das Wesen des Sommers.“ „Und im Herbst, wenn es Schauer und Launen gibt?“ „Sogar dann, wenn Du den Schirm verbaselst.“ „Und wenn der Winter die Fensterrahmen silbern überzieht?“ „Im Winter liebe ich Dich wie ein lustiges Feuerchen. Ganz nah an Deinem Herzen. Bei ihm. Und draußen vor den Fenstern Schnee, Krähen auf ihm.“
***
Nach: Anna Rajca, Jerzy Polanicki, Poezja polska od średniowiecza do współczesności, Warszawa 2001, S. 447.
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