• Staatsverschuldung, ‚billiges‘ Geld und Moral

    Die absurde, nicht mehr steuerbare Liquidität, die als Gegenbuchung zur aberwitzigen Verschuldung… stehen geblieben ist, hat zu falschen Allokationen… geführt; sie hat aber auch die Menschen nachlässig und unkritisch werden lassen; sie hat die Arroganz der Mächtigen gesteigert; sie hat der Hochfinanz das Pulver geliefert, mit dem das Feuerwerk der 80er und 90er Jahre an den Finanzmärkten gezündet worden ist; sie hat die Sitten und die Moral in weiten Teilen der Gesellschaft erodieren lassen; sie hat auch die Machtverhältnisse und die Besitztümer verschoben und damit viele gesellschaftliche Probleme geschaffen; sie hat die wohlfahrtsstaatliche Verluderung vorangetrieben und einen Teil der Bonitäten an den Finanzmärkten zerstört… Kurzum: die ausufernde Liquidität hat die Menschen verdorben.

    Walter Hirt, zitiert nach Roland Baader, Geld, Gold und Gottspieler. Am Vorabend der nächsten Weltwirtschaftskrise, Gräfelfing 2007, S. 96; Auslassungszeichen bei Baader. (Bild: Maerten de Vos, Die Versuchung des heiligen Antonius (Detail).)

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    Einige Reaktionen auf Google und James Damore

    Taki’s Magazine bringt Frotzeleien von Gavin McInnes, die durchaus am Platze sind: Google Tech Fired for Using Google. McInnes auch hier in einem Filmchen über Google, Damore und Hate Facts.

    Vernünftiges von Llarian auf Zettels Raum: Google, Gender, Galgenstrick?

    Hörenswert: ein Gespräch von Jordan Peterson und Stefan Molyneux über Google, James Damore und die Folgen.

    Lesenswert: ein nachdenklicher Text von Marc Felix Serrao in der Neuen Zürcher Zeitung: Diversity hat eine angstbesetzte intellektuelle Einfalt produziert.

    Bloß mittelbar zum Fall Damore, aber dennoch wichtig: Jordan Peterson über den Mangel an Sorgfalt unter Journalisten.

  • James Damore, Google und Political Correctness

    Heute in Ruhe die völlig unpassend zuweilen als „Anti-Diversity-Manifest“ bezeichneten Reflexionen des ehemaligen Google-Mitarbeiters James Damore gelesen. Den Text kennzeichnen Sachlich- und Nachdenklichkeit, Freundlich- und Höflichkeit; aus jeder Zeile spricht der ehrliche Wunsch, zum Besseren zu wirken.

    Nur wer Damores Ausführungen nicht gelesen hat, kann zu einem Urteil wie diesem kommen:

    Die Empörung über das in weiten Teilen altbekannte Stereotype wiederkäuende Pamphlet des Software Engineers von Google ist (zu Recht) groß. […] Machen wir uns nichts vor: Die im Dokument deutlich werdenden Ressentiments haben nach wie vor sehr viele Anhänger.

    Immer wieder drollig, Die Zeit und/oder Zeit online als Institution für betreutes Schreiben.

    Drolliger noch, daß sogleich auch von „Ressentiment“ gesprochen wird. Ist es wirklich zuviel verlangt, diesen auf Nietzsche zurückgehenden und von Scheler (zumeist) segensreich gebrauchten Begriff einmal vernünftig, also nicht-verstellend zu gebrauchen?! Ressentiment ist der geronnene Groll des Machtlosen und Versagers. James Damore hat einen Abschluß der Harvard-Universität. Das sieht mir nicht eben nach dem Profil des typischen Versagers aus…

    Wie dem auch sei. Firmen können feuern, wen sie wollen. Oder sollten es wenigstens können. Dennoch gewinnt man den Eindruck, daß es um den Westen nicht gut stehe, wenn ein Mann wie Damore aus solchen Gründen gefeuert wird.

    (Siehe auch hier – der FIDE-Titel ließ sich allerdings nicht bestätigen – und hier.)

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    Gruß aus zivilisierterer Zeit

    Joseph Breitbach berichtet in seinem launig geschriebenen und erhebenden Essay „Freund Georges und das Tout-Paris“:

    Als nach dem Krieg ein Gaullist sich über eine Photographie Ernst Jüngers aufhielt, die in dem Wohnzimmer der kleinen Wohnung hing, sagte Georges [Poupet] mit der Ruhe eines Prälaten, der die tausendundein Irrtümer der Menschen kennt: „Das Weltbild Jüngers ist mir fremd und unheimlich, aber als Menschen schätze ich ihn; das Porträt bleibt, wo es ist.“

    (Joseph Breitbach, Feuilletons zu Literatur und Politik, Pfullingen 1978, S 32.)

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    Jordan Peterson: Zwölf Leitsätze für einen neuen Konservativismus

    Trotz der Länge sehr hörenswert. Man muß nicht in allen Teilfragen zustimmen, um aus Jordan Petersons Ausführungen reichen Gewinn zu schöpfen. Es wäre wünschenswert, Vergleichbares einmal aus deutschem Munde und zum Wohle der Bundesrepublik Deutschland zu hören.

    Bitte klicken Sie hier, um zu dem Film zu gelangen. Petersons Vortrag beginnt bei Minute 18.

  • Zu den eher zweifelhaften Vergnügungen…

    …gehört es, einem besonders verbohrten Exemplar der Gattung Mensch jenen Talmi-Idealismus austreiben zu wollen, der darin besteht, sein wohlig-wolliges Selbstverhältnis durch Maßnahmen aufpolstern zu lassen, die von den Steuergeldern anderer Leute, durch Staatsverschuldung und Inflation, mithin die Entwertung der paar Groschen, die der kleine Angestellte, der Heizungsinstallateur und die Dame beim Kundenservice der Stadtwerke auf der hohen Kante haben, finanziert werden, überdies die Freiheit, den Wohlstand und die Lebensqualität in der Bundesrepublik Deutschland aufs Spiel setzen. Da kratzt kein noch so scharfes Argument am übergewiß glänzenden Chitinpanzer. Denn allzu schnell treffen Logik und Empirie auf (der Verfügbarkeit nach) billige, (der Sache und dem angemessenen Umgang unter prinzipiell vernunftfähigen Wesen) unbillige Empörung. Wie Kriegsschiffe Rauch abzublasen pflegten, um den Gegner das Peilen zu erschweren, bieten Menschen im Vollgefühl geborgter Güte auf, was sie nur können (und hier können sie plötzlich), um die einfache und, wie es so schön heißt, wesentliche Frage zu umschiffen, welche da lautet: Wenn Du Gutes tun willst, Seelchen, warum tust es nicht von Deinem Gelde, mit eigenen Händen, im eigenen Schweiße und nach der Spanne Deiner Jahre? Warum bestehst Du darauf, daß Deine Landsleute Deinen dreifach verquirlten Blödsinn (i) begrüßen und (ii) unter Strafdrohung finanzieren? Nein, Du Gute/r, Deine Nachbarn sind nicht so bös und/oder dumm („unsozial“), wie Deine Selbstüberhebung Dich glauben läßt; sie wünschen ihren Nächsten das Beste, wie Du am Hinweis auf den kleinen Angestellten, den Installateur und die Dame bei den Stadtwerken erkannt haben könntest. Die können keine großen Sprünge machen; sie sind nicht dazu auf Erden, Dir Deinen eitlen Flug zu ermöglichen.

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    Steinhöfel über das Netzwerk-Durchsetzungsgesetz

    Das permanente Operieren mit unbestimmten Rechtsbegriffen wie „Hate speech“ oder „Fake news“ ist deshalb so geschickt, weil es Verunsicherung in die öffentliche Debatte trägt und zur Verängstigung der Menschen bei der Wahrnehmung ihrer Grundrechte führt.

    Ein hörenswerter Vortrag von Joachim Steinhöfel in Berlin. Bitte klicken Sie hier, um zu dem Film zu gelangen.