…er hatte ein nicht-ambivalentes Verhältnis zur Ambivalenz; für ihn war die Ambivalenz eine unter allen Umständen einzufordernde Tugend.
-

Wie das Lehrbuch Europa. Unsere Geschichte 2 die amerikanische Revolution im Vergleich zur französischen Revolution behandelt, taugt zum Lehrstück in Sachen Selbst- und Fremdtäuschung. Die Frage, ob und in welchem Maße die Vernebelung intendiert sei, muß uns dabei nicht interessieren: die Seele ist ein Haus mit verquirlten Gängen und Kammern.
Kein Geringerer als Karl Popper bedauerte die seltsam einseitige Behandlung der Revolutionen in Frankreich und Amerika:
Ich finde es tragisch, daß Europa fast immer nur dem mißlungenen Beispiel der Französischen Revolution […] Beachtung geschenkt hat, während das großartige Beispiel der Amerikanischen Revolution – zumindest im Schulunterricht – kaum zur Kenntnis genommen und fast immer mißverstanden wird. Denn Amerika hat den Beweis geliefert, daß die Idee der persönlichen Freiheit […] kein utopischer Traum ist. Das amerikanische Beispiel hat gezeigt, daß eine Regierungsform der Freiheit nicht nur möglich ist, sondern die größten Schwierigkeiten überwinden kann; eine Regierungsform, die vor allem darauf gegründet ist, die Despotie zu vermeiden – nicht zuletzt auch die Despotie der Majorität des Volkes – durch eine Teilung und Verteilung der Macht und durch gegenseitige Kontrolle geteilten Mächte. (Alles Leben ist Problemlösen, München u. Zürich 1994, S. 279)
Dies ist die beklagenswerte Tradition, in die sich das höchstoffizielle, da – ich zitiere den Fuß der inneren Titelseite – „von der Gemeinsamen Deutsch-Polnischen Schulbuchkommission mit dem Georg-Eckert-Institut – Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung Braunschweig und dem Zentrum für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften“ herausgegebene Lehrwerk für den Gebrauch an Schulen einschreibt.
Das Elend beginnt bereits mit der Zeichensetzung in den Überschriften. Das Kapitel zur amerikanischen Revolution trägt ein warnend-kritisches Fragezeichen: „Der Krieg um die Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten von Amerika – ein Kampf um Freiheit und Gleichheit?“ Sein Gegenstück zur französischen Revolution zeigt sich gewisser: „Von der Ständegesellschaft zur Nation gleichberechtigter Bürger“ – ohne Fragezeichen, wiewohl einzuwenden wäre, daß jene idealiter gleichberechtigten Bürger irgendwo auf dem beschriebenen Wege zu Tausenden erschossen, erschlagen, ertränkt oder guillotiniert worden seien, es also mit der Gleichberechtigung so großartig nicht bestellt gewesen sein könnte.
(mehr …) -
Die Hypokrisie der öffentlichen Moral, die jederzeit tolerierte (wo nicht betrieb): die Verhöhnung des Eros, die Verhöhnung des Soldaten, die Verhöhnung von Kirche, Tradition und Autorität, sie darf sich nicht wundern, wenn ihre Worte in der Not kein Gewicht mehr haben.
Botho Strauss. Mehr hier.
-
Papst Franziskus ließ neuerdings eine Photographie verteilen, auf der ein japanischer Junge nach dem Abwurf der Atombombe auf Nagasaki zu sehen ist. Er trägt seinen toten kleinen Bruder auf dem Rücken:
Die Lippen des vielleicht fünfjährigen Jungen sind blutig gebissen. Er steht starr am Rand eines Feldes, auf dem die Toten verbrannt werden. Er wartet darauf, bis er an der Reihe ist, um seinen toten kleinen Bruder dort abzulegen.
So Vatican News. Auf der Rückseite befindet sich der Kommentar „…il frutto della guerra“ (die Frucht/das Ergebnis des Krieges) und einige Angaben über das Bild.
Zum Anlaß – oder einem der Anlässe – des Tuns von Jorge M. Bergoglio gereichen offenbar die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel. Doch der Blick des Papstes reicht weiter:
The gesture is consistent with Francis’s effort since his election to speak out against what he describes as a “Third World War” today, being fought in piecemeal fashion in various parts of the world.
(Diese Geste stimmt mit Franziskus‘ Handeln seit seinem Amtsantritt überein, nämlich dem Eintreten gegen etwas, das er als „Dritten Weltkrieg“ bezeichnet, geführt in Bruchstücken und kleinen Schritten in den verschiedensten Weltgegenden.)
Schön und gut. Niemand, den ich kenne, findet Krieg per se anstrebenswert. Niemand, den ich kenne, wünscht sich einen Atomkrieg herbei. Wozu also das Ganze?
„Aufklärung“ kann kaum gemeint sein. Bei solchen Angelegenheiten noch aufklären zu wollen, trüge die Eulen gleich sattelzugweise nach Athen. Denn es gibt keinen Mangel an Photographien, auf denen kindliche oder jugendliche Opfer von Kriegen zu sehen sind, und viele dieser Bilder sind bekannt oder sogar berühmt.
Zum Beispiel dieses hier aus den Tagen des deutschen Angriffs auf Polen:

Wenn es keine Aufklärung ist, was ist es dann?
(mehr …) -

…man kann sie nämlich, wie Ketchup, auf so gut wie alles Mögliche gießen. Und wenn Sie trotzdem einen Beweis wünschen, macht Sie das desto mehr zum „Rassisten“.
(Quelle. Mit bestem Dank an Heike Diefenbach. Mehr von Thomas Sowell hier.)
-

Es ziemt sich nicht, sich in unbilliger Weise über Nachbarn und andere Völker jenseits von Meeren und Bergen zu erheben. Deshalb jetzt einige selbstkritische Bemerkungen im Geiste dessen, was über Sh*thole Countries bemerkt wurde.
Michael Klonovsky, der übrigens auch eine sehr instruktive Sammlung von Leserbriefen zum Thema „Was ist ein Drecksloch?“ zugänglich gemacht hat, berichtet und kommentiert:
Am 24. Dezember gab eine Freundin meiner Frau, Pianistin auch sie, ein Essen, und einer der Gäste, ein russischer Cellist, ist auf dem Heimweg von einem Rudel junger Araber ins Koma geprügelt worden. Geschehen zu Karlsruhe in der Heiligen Nacht. Ich erzähle das, weil der Musiker diese Woche aus dem Krankenhaus entlassen wurde; er hatte eine Schädelfraktur und ein gebrochenes Fußgelenk. Die Hände sind gottlob unverletzt geblieben. Gelesen habe ich davon nirgends etwas. Die Polizei hat sich bis heute nicht dafür interessiert, dass ein durch Fremdeinwirkung schwer Verletzter in die Notaufnahme eingeliefert wurde. (Inzwischen schon; Nachtrag vom 15. Januar.) Eine Nachoperation wird notwendig sein. Ich fragte vor zwei Tagen nach einer Weltrangliste der „shithole countries“ (Donald Trump) und bin geneigt, ein christliches Land, in dem ein Musiker von einer Gruppe importierter muslimischer Primär- oder Sekundäranalphabeten ins Hospital getreten wird, weil die mit dem Feiertag der Geburt des Heilands nichts anderes anzufangen wissen, zumindest in den Kreis der Kandidaten auf diesen Schandtitel zu wählen.
Siehe auch die deutsche Hightech- und Bauprojekte betreffenden Bemerkungen auf dem Blog Science Files.
-

„Ich könnte keine einzige Bevölkerungsgruppe irgendwo auf der Welt nennen, die durch politische Maßnahmen aus dem Elend heraus zu Wohlstand gelangt ist.“ Thomas Sowell in einem schon mehr als drei Jahrzehnte alten Interview.
Der Nationalökonom und Soziologe erklärt, weshalb nicht Rasse und Diskriminierung der entscheidende Faktor für das Vorankommen oder Stagnieren einer Bevölkerungsgruppe sind, sondern die Eigenschaften der Kultur jener Gruppe, etwa das Verhältnis zu Treue und Verantwortung oder zur Bildung. Bitte klicken Sie hier, um zu dem knapp viertelstündigen Film zu gelangen. (Der eingangs genannte Satz folgt nach 9 Min., 45 Sek.)
-

Er hat’s wieder getan. Diesmal mit der Bemerkung, bestimmte Länder seien, nun, Dreckslöcher. Der Spielzug verdient Anerkennung. Trump zwingt seine Kontrahenten dazu, entweder das Offensichtliche zu verneinen, oder einen Großteil des Bodens, auf dem sie ihre Gutmenscherei errichtet haben, zerbröseln zu sehen.
Man darf doch weiterhin annehmen, der Human Development Index, der Index der menschlichen Entwicklung bilde keine rechtspopulistische Propaganda?
Und: Natürlich ist die Feststellung, Land X sei ein Drecksloch, keine Bösartigkeit oder gar Hetze den Einwohnern des Landes X gegenüber. Wie spätestens seit Friedrich August Hayeks The Fatal Conceit bekannt sein dürfte, sind Kulturen oder Zivilisationen nichts, was sich eben mal – im Verlauf einer Generation, am besten noch am Bürotisch zwischen 8.30 und 16.30 Uhr – herstellen läßt; sie sind über Generationen gewachsen. Mit anderen Worten: Alle Schweizer haben Glück, in der Schweiz geboren worden zu sein, und einige Schweizer handeln so, daß die Schweiz auch in der Zukunft ein lebenswertes, da freies und prosperierendes Land sein wird, während andere Schweizer so handeln, daß sie das Glück künftiger Generationen von Schweizern gefährden. Ein entsprechender Satz läßt sich für die Einwohner verschiedener Drittwelt-Länder bilden – mit umgekehrten Vorzeichen.
Der Schlüssel zum Verständnis der Angelegenheit lautet: Glück (im Sinne des englischen „luck“) und Dankbarkeit. Aus Angst vor dem bösen Blick des Neides das eigene Glück (im Sinne des englischen „happiness“) und dasjenige seiner Kinder und Kindeskinder zu zerstören, taugt kaum als Ausdruck von Weisheit.
Was Stilfragen angeht, nun, da kann man Andrew Klavans Redeweise vorziehen. Der US-Schriftsteller klärt in einem brillanten Video von knapp drei Minuten Dauer über die Aporien des Multikulturalismus auf und nennt einige Drittwelt-Länder „hellholes“.
Zu der Frage, wie man den in solchen Verhältnissen Geborenen helfen könne, äußert sich sehr informativ Dambisa Moyo.
(Graphik: Sambeetarts via Pixabay.)