Rechtschreibung

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    „Was sollen wir lernen, wenn sich alles ändert?“

    So lautet die „Semesterfrage“ der Wiener Universität. Die Antwort ist einfach: Lernt dasjenige, was sich nicht ändert. Also dasjenige, was nicht den schnellebigen Moden des Geistes (und Ungeistes) unterliegt.

    Lernt nicht, daß man – wer ist dieses Man? – neuerdings „schnelllebig“ zu schreiben habe. Versucht lieber, die Prinzipien zu verstehen, die von solchen Moden unberührt bleiben, Prinzipien, die Euch erlauben, jene Moden als schiere Moden zu erkennen und je nach deren Charakter ernst- oder leichtzunehmen.

    Überspitzt könnte man sagen: An der Universität lernt man, was sich nicht ändert. Was sich ändert, lernt man an Hochschulen.

    Das ist nicht ganz wahr, weil auch die Prinzipien der Wissenschaft sich entwickeln, allerdings extrem, extreeem langsam, wie das Schicksal des Satzes vom ausgeschlossenen Dritten zeigt. Doch mag die Überspitzung als Faustregel taugen.

    Und ja: Hochschulen sind keine Universitäten, echte Universitäten nicht bloß Hochschulen. Verschulung trennt sie – unversöhnlich.

    (Beitragsbild: eigene Photographie.)

  • „ph“-Phobie

    Eines der tieferen Rätsel unter der Sonne ist, was die Leute gegen das „ph“ haben. Zuweilen scheint es, als fühlten sie sich regelrecht bedroht, wo es ihnen in schönen Wörtern begegnet, z.B. „Photographie“ oder „Telephon“. Was wird gewonnen, wenn wir diese Wörter modernisieren, also recht eigentlich verstümmeln zu den reiz- und respektlosen Zombies „Fotografie“ oder „Telefon“?

    Weshalb ich von Respektlosigkeit schreibe? Schlicht deshalb, weil der Respekt, der ahnungsvolle Schauer vor dem kaum glaublichen Umstand, daß mit Licht gezeichnet (gemalt, geschrieben) werde, ja überhaupt mit Licht gezeichnet werden könne, verlischt (sic!), wo die Schreibung enthellenisiert wird. Gemeinmachung führt nur allzuoft zur Gemein-Machung.

    Vergleichbares gilt für das zum Telefon degradierte Telephon. Von hier ist es nicht mehr weit zum Fon. Da hat man denn auch nichts wirklich Mitteilenswertes mehr zu sagen, und wie immer stirbt die Kultur Trippelschritt um Trippelschritt. Bis nichts mehr bleibt als der Philosoph – letzte Skrupel, Freunde? – und der Erzbösewicht unserer Tage, der was-auch-immer-Phobe.