Thomas Sowell über die Entscheidung des US-Verfassungsgerichtes in Sachen Abtreibung

Thomas Sowell erklärt:

Some people seem to think that the Supreme Court has banned abortions. It has done nothing of the sort.

The Supreme Court has in fact done something very different, something long overdue and potentially historic. It has said that their own court had no business making policy decisions which nothing in the Constitution gave them the authority to make.

(Einige Leute scheinen zu meinen, daß der Supreme Court Abtreibungen verboten habe. Er hat nichts dergleichen getan.

Der Supreme Court hat de facto etwas ganz Anderes getan, etwas, das längst überfällig war und das Zeug hat, eine historische Entscheidung zu werden. Der Supreme Court hat festgestellt, daß er selbst keine Befugnis hat, politische Entscheidungen zu fällen, weil es keinen Passus in der Verfassung der Vereinigten Staaten gibt, der ihm die Autorität zuerkennen würde, politische Entscheidungen zu fällen.)

Schön, nicht wahr? Bitte lesen Sie den ganzen Text.

New York Times Co. v. Sullivan (1964)

Aus einem knapp sechzig Jahre alten Urteil des Verfassungsgerichts der Vereinigten Staaten von Amerika, dem Supreme Court of Justice:

Thus we consider this case against the background of a profound national commitment to the principle that debate on public issues should be uninhibited, robust, and wide-open, and that it may well include vehement, caustic, and sometimes unpleasantly sharp attacks on government and public officials. 

(Also betrachten wir diesen Fall vor dem Hintergrund der tiefverwurzelten Überzeugung unserer Nation, daß die Debatte über öffentliche Angelegenheiten ungehindert, robust und weithin offen vonstatten gehen sollte, und daß sie natürlicherweise heftige, schneidend sarkastische und zuweilen unangenehm scharfe Attacken auf Regierungsvertreter und Beamte einschließt.)

Und:

In any event, despite the possibility that some excesses and abuses may go unremedied, we must recognize that ‚the people of this nation have ordained in the light of history, that, in spite of the probability of excesses and abuses, (certain) liberties are, in the long view, essential to enlightened opinion and right conduct on the part of the citizens of a democracy.‘ […] As Mr. Justice Brandeis correctly observed, ’sunlight is the most powerful of all disinfectants.‘

(Auch wenn die Möglichkeit besteht, daß einige verbale Exzesse und persönliche Beschimpfungen ertragen werden müssen, ohne sich rechtlich dagegen wehren zu können, haben wir in jedem Falle anzuerkennen, daß ‚die Bürger dieser Nation im Lichte der Geschichte erkannt und zu einem Prinzip erhoben haben, daß, der Wahrscheinlichkeit von verbalen Exzessen und Beschimpfungen ungeachtet, (bestimmte) Freiheiten auf lange Sicht hin unverzichtbar sind für eine aufgeklärte Meinungsbildung und richtiges Handeln seitens der Bürger einer Demokratie.‘ Wie Verfassungsrichter Brandeis treffend festgestellt hat, ‚ist Sonnenlicht das beste aller Desinfektionsmittel.‘)

Zum Hintergrund hier und hier. Halten Sie sich an das Original, nicht die Übersetzung, die (hier wie anderswo) eine Interpretation darstellt, mit der ich nicht ganz glücklich bin.

Noch einmal zu David Hume und der Universität von Edinburgh

Schöner Artikel auf The American Mind, unterzeichnet von drei Hume-Kennern:

We see who these cancellers are and what kind of university they are building.

Hume’s works and name should not be soiled by association with the libraries at the University of Edinburgh.  We call for their removal from the library and transfer to a genuine institution of higher learning.

Nor should Hume’s great student and friend, Adam Smith, be tainted by association with the anti-intellectualism displayed by the place calling itself the University of Edinburgh.  We call for the removal of the special collection of Adam Smith from the Edinburgh library and removal to a place where the works will be respected, like Hillsdale College.

(Wir erkennen, wer diese Austilger sind und welche Art Universität sie schaffen möchten.

Der gute Name und das Werk David Humes sollte nicht durch eine Verbindung mit den Bibliotheken der Universität von Edinburgh befleckte werden. Wir rufen dazu auf, sie aus der dortigen Bibliothek zu entfernen und an eine Anstalt höherer Bildung zu schaffen, die den Namen verdient.

Ebensowenig sollte Humes großer Schüler und Freund Adam Smith durch eine Verbindung mit dem Antirationalismus jener Institution befleckt werden, die sich als Universität von Edinburgh bezeichnet. Wir rufen dazu auf, die Privatbibliothek von Adam Smith aus der Edinburgher Bibliothek zu enfernen und an einen Ort zu schaffen, wo diese Bücher respektiert werden, z.B. Hillsdale College.)

Unterzeichnet von Nicholas Capaldi, John W. Danford und Scott Yenor, die übrigens darauf hinweisen, daß Hume schon einmal von der Universität in Edinburgh geschaßt worden sei. Zu seinen Lebzeiten, weil er allzu „skeptisch“ gegenüber der (damals) christlichen Ausrichtung jener Hochschule gewesen sei.

Interessant, daß sie gerade Hillsdale College empfehlen. Hier mag die Frage staatlicher Förderung – oder besser: der Abwesenheit staatlicher Förderung eine Rolle spielen. Die Hochschule unterstreicht, keine staatlichen Mittel anzunehmen; das macht sie und die Menschen, die an ihr wirken, weit weniger cancellable.

Wenn Sie mögen, hören Sie doch die Rede von Verfassungsrichter Clarence Thomas während der feierlichen Eröffnung der 2019 fertiggestellten Kirche auf dem Campus von Hillsdale. Thomas beginnt ab etwa der 44. Minute zu sprechen (Text der Rede):

Womit denn auch der Skeptiker Hume und eine christlich ausgerichtete Institution höherer Bildung zusammengebracht würden. Bürgerliche Gegenkultur!

Joe Biden vs. Thomas Sowell (1987)

Eine kuriose Begegnung: Während der Anhörungen im Rahmen der (gescheiterten) Nominierung Robert Borks für den Supreme Court of Justice der Vereinigten Staaten von Amerika trifft – hier ab etwa Minute 2 des Films – Senator Joseph „Joe“ Biden, Jr. auf Thomas Sowell, der in diesem Blog bereits viele Auftritte hatte. Drollig ist, daß Sowells erste Entgegnung auf Biden gleich auf dasjenige hinauswill, was heute „Virtue Signalling“ genannt wird; dann geht es über die Nachteile von Affirmative Action weiter. Hörens- und sehenswert.