• Richard Fernandez stellt fest, daß der Besuch einer renommierten Universität heute weniger der Bildung diene, als dem Auf-Linie-Bringen:

    educational institutions have lately been focused on creating cultural clones of themselves. They are full of speech codes, no-go areas of inquiry, forbidden subject matter, and even banned books. All too often, you go to college to narrow your mind.

    (Bildungsinstitutionen haben sich in letzter Zeit darauf konzentriert, Klone ihrer selbst zu produzieren. Sie sind voll von Sprachregelungen, Denk- und Forschungsverboten, und sie haben sogar Bücher verboten. Nur zu oft gehen junge Leute auf eine Universität, um ihren geistigen Horizont nicht zu erweitern, sondern zu verengen.)

    Eine Alternative dazu sei Autodidaktentum, ein Streben nach Wissen außerhalb von Universitäten. Fernandez präsentiert eine Liste berühmter Autodidakten und beruft sich auf Elon Musk:

    Elon Musk famously said “you don’t need college” to learn. 

    (Wie allgemein bekannt, hat Elon Musk gesagt: Man braucht keine Hochschule, um zu lernen.)

    Natürlich zeigt sich Fernandez vorsichtig. Der ‚unabhängige‘ Weg taugt nicht für jedermann. Bildungsentscheidungen sind, wie alle menschlichen Entscheidungen, Entscheidungen unter Risiko. Dergleichen kann auch schiefgehen. Deshalb gibt es eine schöne Entgegnung oder Parodie auf die abschließenden Verse des bekannten Gedichts „The Road Not Taken“ von Robert Frost:

    I took the one less traveled by,
    And that has made all the difference.

    (Ich nahm den Weg, den weniger Leute wählten, / und das hat all den Unterschied ausgemacht.)

    Die Parodie lautet (in deutscher Sprache): „Ich nahm den Weg, den weniger Leute wählten, und jetzt weiß ich leider, leider nicht mehr, wo ich hingeraten bin.“

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  • Helmut Schelsky (1974)

    Leerformeln sind immer Herrschaftsformeln, Herrschaftsinstrumente.

    Helmut Schelsky

    Helmut Schelsky, „Herrschaft durch Sprache“ (erschienen am 12.04.1974), in: ders., Der selbständige und der betreute Mensch, Frankfurt a.M. 1978, S. 116-120, hier S. 119 (gekürzt).

  • Thomas Sowell über die jüngsten Ereignisse in den USA

    It is amazing how many people seem to have discovered last Wednesday that riots are wrong — when many of those same people apparently had not noticed that when riots went on, for weeks or even months, in various cities across the country last year.


    (Es ist faszinierend, wie viele Leute am letzten Mittwoch [gemeint ist der 6.01.2021] entdeckt zu haben scheinen, daß gewalttätige Demonstrationen falsch sind, – und daß viele unter genau diesen Leuten offenbar jenen Umstand übersehen haben, als während des vergangenen Jahres in verschiedenen Städten unseres Landes gewalttätige Demonstrationen für Wochen oder sogar Monate andauerten.)

    Den gesamten Kommentar Sowells finden Sie hier. Sein Titel lautet: „Is Truth Irrelevant?“ (Spielt Wahrheit keine Rolle?)

  • Tugend-Wedler, auch Tugendwedler, Subst., m.: eine Person, die → virtue signalling liebt, d.h. jemand, der einem → Gleißner oder (äußerst selten) → Gleißer, ferner → Gleisner, darin gleicht, daß er (fälschlich) hervorhebt, wie ungemein moralisch er sei. Nachweis (für beide Formen): Science Files, Artikel vom 6.12.2020.

  • Medien mit Einschlag

    Bill Whittle über Manipulationen von Seiten amerikanischer Medien im Zusammenhang mit den, nun, jüngsten Geschehnissen in den USA. Sehr empfehlenswert, da „nah am Text“ gearbeitet, obgleich man einwenden könnte, daß der Film ohne die abschließende Sequenz über George Soros überzeugender wäre.

    In jedem Falle sind dergleichen Einseitigkeiten kein bloß amerikanisches Problem. Wie Boris Reitschuster mitteilt, begreifen sich laut einer Verbandszeitschrift für Journalisten 92 Prozent der ARD-Volontäre als Anhänger der Grünen, der Linken oder der SPD. Mit diesem Hinweis will ich nicht unterstellen, daß jene Volontäre ihren Job mit Täuschungsabsicht (mala fide) machen werden. Doch läßt sich auf die Gestirne schließen, nach denen sie ihren geistigen Kurs abstecken.

  • „ph“-Phobie

    Eines der tieferen Rätsel unter der Sonne ist, was die Leute gegen das „ph“ haben. Zuweilen scheint es, als fühlten sie sich regelrecht bedroht, wo es ihnen in schönen Wörtern begegnet, z.B. „Photographie“ oder „Telephon“. Was wird gewonnen, wenn wir diese Wörter modernisieren, also recht eigentlich verstümmeln zu den reiz- und respektlosen Zombies „Fotografie“ oder „Telefon“?

    Weshalb ich von Respektlosigkeit schreibe? Schlicht deshalb, weil der Respekt, der ahnungsvolle Schauer vor dem kaum glaublichen Umstand, daß mit Licht gezeichnet (gemalt, geschrieben) werde, ja überhaupt mit Licht gezeichnet werden könne, verlischt (sic!), wo die Schreibung enthellenisiert wird. Gemeinmachung führt nur allzuoft zur Gemein-Machung.

    Vergleichbares gilt für das zum Telefon degradierte Telephon. Von hier ist es nicht mehr weit zum Fon. Da hat man denn auch nichts wirklich Mitteilenswertes mehr zu sagen, und wie immer stirbt die Kultur Trippelschritt um Trippelschritt. Bis nichts mehr bleibt als der Philosoph – letzte Skrupel, Freunde? – und der Erzbösewicht unserer Tage, der was-auch-immer-Phobe.

  • Neulich in Rußland

    https://www.youtube.com/watch?v=xIAjmQT7Kts

    Eine englische Übersetzung des Gesungenen finden Sie unter dem Video, wenn Sie zu Youtube wechseln. Auf dem dortigen Kanal „Vek“ (Wjek) gibt es noch viele, viele Stücke mehr zu entdecken. Es lohnt sich, ein wenig zu stöbern.

  • Crispinus & Crispianus

    Gestern, am 25. Oktober, war der Gedenktag für die Heiligen Crispinus und Crispianus, bekannt im Englischen als St Crispin’s Day. Da kommt natürlich die St-Crispin’s-Day-Rede aus Shakespeares Henry V. in den Sinn. August Wilhelm von Schlegel hat bei ihrer Übertragung keinen schlechten Job gemacht:

    Der heutge Tag heißt Crispianus‘ Fest:
    Der, so ihn überlebt und heim gelangt,
    Wird auf den Sprung stehn, nennt man diesen Tag,
    Und sich beim Namen Crispianus rühren.
    Wer heut am Leben bleibt und kommt zu Jahren,
    Der gibt ein Fest am heilgen Abend jährlich
    Und sagt: «Auf morgen ist Sankt Krispian!»
    Streift dann den Ärmel auf, zeigt seine Narben
    Und sagt: «Am Krispinstag empfing ich die.»
    Die Alten sind vergeßlich; doch wenn alles
    Vergessen ist, wird er sich noch erinnern
    Mit manchem Zusatz, was er an dem Tag
    Für Stücke tat: dann werden unsre Namen,
    Geläufig seinem Mund wie Alltagsworte:
    Heinrich der König, Bedford, Exeter,
    Warwick und Talbot, Salisbury und Gloster,
    Bei ihren vollen Schalen frisch bedacht!
    Der wackre Mann lehrt seinem Sohn die Märe,
    Und nie von heute bis zum Schluß der Welt
    Wird Krispin-Krispian vorübergehn,
    Daß man nicht uns dabei erwähnen sollte,
    Uns wen’ge, uns beglücktes Häuflein Brüder:
    Denn welcher heut sein Blut mit mir vergießt,
    Der wird mein Bruder; sei er noch so niedrig,
    Der heutge Tag wird adeln seinen Stand.
    Und Edelleut in England, jetzt im Bett,
    Verfluchen einst, daß sie nicht hier gewesen,
    Und werden kleinlaut, wenn nur jemand spricht,
    Der mit uns focht am Sankt Crispinustag.

    Interessant zwei Lösungen des Übersetzers. Im berühmten, vielfach zitierten und adaptierten Vers „We few, we happy few, we band of brothers“ versetzt Schlegel das „happy“, um das Versmaß zu halten; es entsteht etwas wie „We few, we happy band of brothers“ („Uns wen’ge, uns beglücktes Häuflein Brüder“). Im vorletzten Vers dann setzt Schlegel „Und werden kleinlaut…“, was richtig ist und trifft und doch an Saft und Kraft des Vorbilds nicht heranreicht, wo es heißt: „And hold their manhoods cheap…“